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Die Stiere von Lamborghini

27. November 2026 bis einschließlich 3. Januar 2027

Diesen Winter verwandelt sich die Great Hall des Louwman Museums in eine Arena für die ungezähmten Stiere von Automobili Lamborghini. Im Mittelpunkt dieser einmaligen Retrospektive steht eine Sammlung wegweisender Modelle, die gemeinsam die Geschichte von mehr als sechs Jahrzehnten kompromisslosen italienischen Designs, Innovation und puren Kampfgeistes erzählen.


Die Entstehung der Marke liest sich wie eine Legende: Ausgelöst durch eine Meinungsverschiedenheit mit Enzo Ferrari beschloss der Traktorenbauer Ferruccio Lamborghini 1963, selbst den ultimativen Gran Turismo zu entwickeln. Seitdem setzte die Marke mit dem angreifenden Stier konsequent auf Frontalangriff. Es folgte eine bewegte Geschichte, in der Lamborghini immer wieder mit den Konventionen der Automobilwelt brach und die Grenzen des Supersportwagens neu definierte.


In enger Zusammenarbeit mit Automobili Lamborghini und Lamborghini Nederland präsentiert das Museum diese besondere Entwicklung anhand von fünfzehn Schlüsselmodellen. Die Reise beginnt beim Urmodell, dem eleganten 350 GT, und führt über revolutionäre Ikonen wie den schwungvollen Miura, den futuristischen Countach und den imposanten LM002. Darüber hinaus stehen die ungezähmten Charaktere mit Rennstrecken-DNA im Fokus, darunter die legendären SV-Versionen des Murciélago und des Aventador sowie moderne technologische Meisterwerke wie der Essenza SCV12 und der Revuelto.

350 GT

Wozu eine hohe Getrieberechnung führte. Traktorenhersteller Ferruccio Lamborghini war über die hohen Kosten für ein neues Getriebe so verärgert, dass er nach einer Beleidigung durch Enzo Ferrari beschloss, selbst einen Sportwagen zu bauen. Innerhalb von zwei Jahren stand das erste Sportcoupé auf den Rädern. Mit dem 350 GT wurde der Grundstein für die heutige Marke gelegt. Der angesehene Ingenieur Bizzarrini entwickelte den V12-Motor, und die renommierten Designer von Carrozzeria Touring entwarfen die Karosserie. Die Fabrik entstand nur einen Steinwurf von Ferrari entfernt in Sant’Agata Bolognese.

  • Name: Der Hubraum (3,5 Liter), ergänzt um die Abkürzung für Gran Turismo
  • Stammbaum: V12-GT-Familie
  • Nachfolger: 400 GT
  • Produktionszeitraum: 1964-1966
  • Produktionsvolumen: 120 Stück

Mit dem 350 GT etablierte sich Ferruccio Lamborghini als Automobilhersteller, doch bereits ein Jahr vor dessen Markteinführung präsentierte der Italiener eine Designstudie, den 350 GTV. Dieses Konzeptfahrzeug wurde 1963 auf dem Turiner Autosalon vorgestellt. Obwohl das Publikum glaubte, das Sportcoupé sei serienreif, gab es noch keinen Motor. An diesem wurde noch gearbeitet. Die Motorhaube des 350 GTV blieb während der Automesse daher fest verschlossen. Nicht zuletzt deshalb, weil vorne Steine lagen, die anstelle des fehlenden schweren V12-Motors die Fahrzeugfront nach unten drücken sollten.

  • Höchstgeschwindigkeit: 254 km/h
  • Beschleunigung: 6,8 Sek.
  • Motor: 3,5 V12, 280 PS
  • Leergewicht: 1050KG

Miura

Mit dem Miura erschütterte Lamborghini die Sportwagenwelt in ihren Grundfesten. Die Marke war gerade einmal zwei Jahre alt und baute ausschließlich GTs. Der Miura war der erste reinrassige Sportwagen der Marke – und was für einer! Seine Linienführung war sensationell. Die geschwungene Karosserie mit markant gestalteten Leuchteinheiten, großer Motorhaube und quer eingebautem V12-Motor zwischen den Achsen war revolutionär. Ein Jahr vor der Vorstellung des Modells zeigte Lamborghini auf dem Turiner Autosalon 1965 bereits ein fahrfähiges Fahrgestell des Wagens. Auf Grundlage der vorgestellten technischen Daten gaben Enthusiasten bereits Bestellungen auf, obwohl das Design noch gar nicht gezeigt worden war. Mehr noch: Es gab noch überhaupt keine Karosserie. Der Entwurf wurde erst wenige Tage vor der Eröffnung des Genfer Autosalons 1966 fertig. Niemand wusste damals, ob der Motor überhaupt unter die Karosserie passen würde. Der Prototyp debütierte ohne Motor.

  • Name: Benannt nach Don Eduardo Miura, einem Züchter aggressiver Stiere
  • Stammbaum: V12-Familie
  • Produktionszeitraum: 1966-1973
  • Produktionsvolumen: 764, davon 275 P400

Es war nicht Ferruccio Lamborghini, der den Auftrag zur Entwicklung des Miura gab. Die Techniker Giampaolo Dallara, Paolo Stanzani und Bob Wallace riefen das Projekt ins Leben – und zwar in ihrer Freizeit. Der Prototyp erhielt die Bezeichnung P400. Ziel war es, einen Straßenwagen mit Rennsportgenen zu entwickeln. Wenn es draußen dunkel war, brannte drinnen noch Licht. So entstand der Miura, ohne dass die Herren wussten, ob das Projekt jemals die Serienreife erreichen würde. Als die drei Ferruccio Lamborghini einweihten, gab er sofort grünes Licht für den Supersportwagen. Die Herren erhielten freie Hand. Das Ergebnis war ein Sportcoupé, das die Welt einmal mehr in Staunen versetzte.

  • Höchstgeschwindigkeit: 263 km/h
  • Beschleunigung: 6,7 Sek.
  • Motor: 3,9 V12, 350 PS
  • Leergewicht: 1292 kg

Espada

Eine flache Silhouette mit entsprechend niedriger Dachlinie, eine stattliche Fahrzeuglänge und ein Design, das Eleganz und Sportlichkeit vereint. Zusammen mit vier vollwertigen Sitzplätzen und einem ordentlichen Gepäckraum macht das den besonderen Charakter des Espada aus. Eine echte Sportlimousine, die von Stoßstange zu Stoßstange 4,74 Meter misst und mit einem kraftvollen V12-Motor ausgestattet ist, der die vier Insassen auf mehr als 240 km/h beschleunigt. Lamborghini bot das Modell in drei sogenannten Serien an. Die Ausführungen unterscheiden sich durch Änderungen im Detail.

  • Name: Benannt nach dem Schwert des Stierkämpfers
  • Stammbaum: V12-GT-Familie
  • Vorgänger: 400 GT 2+2
  • Produktionszeitraum: 1968–1978
  • Produktionsvolumen: 1217 Stück

Mit dem Countach führte Lamborghini die nach oben schwenkenden Türen ein, doch mit dieser Türkonstruktion hatte Designer Gandini in Diensten von Bertone schon Jahre zuvor für den Espada experimentiert. Das viersitzige Sportcoupé sollte eine Tür mit zwei Scharnierpunkten in der Dachmitte erhalten. Ferruccio Lamborghini, einst selbst Besitzer eines Mercedes 300 SL, hielt davon beim Espada nichts.

  • Höchstgeschwindigkeit: 245 km/h
  • Beschleunigung: 6,5 Sek.
  • Motor: 3,9 V12, 325 PS
  • Leergewicht: 1480 KG

Countach

Countach! So reagierte einer der Anwesenden, als die Designstudie für einen neuen Lamborghini zum ersten Mal enthüllt wurde. In der Region rund um Bertones Designstudio bedeutet das Wort so viel wie „Wow“. Das Sportcoupé mit dem Codenamen L112 sorgt selbst heute noch für Aufsehen. Die gewagte Karosserieform des gedrungenen, aber breiten Sportcoupés zeichnet sich durch kantige, gerade Linien aus. Trotz der breiten Karosserie stehen die beiden Sitze dicht beieinander. Um das Ein- und Aussteigen beim Längsparken zu erleichtern, entwickelte der Designer die nach oben schwenkenden Türen, die sich später bei allen Sportwagen mit V12-Motor wiederfanden. Die Entwicklung begann 1970, die Markteinführung folgte 1974. Nach technischen und optischen Überarbeitungen im Rahmen verschiedener Modellversionen verließ 1990 das letzte Exemplar das Werk.

  • Name: WOW, in einem italienischen Dialekt 
  • Produktionszeitraum: 1974–1990
  • Vorgänger: Miurà
  • Produktionsvolumen: 2049 Stück, inkl. 157 Periscopio

Die allerersten Exemplare des Countach bekamen einen Spitznamen: Periscopio. Das bedeutet auf Deutsch Periskop. In den ersten Produktionsjahren war ein Tunnel in das Dach integriert, der als „Guckloch“ diente. Beim Blick in den Innenspiegel schaute man über das Dach nach hinten. Lamborghini setzte diese Lösung nur bei den frühen Exemplaren des LP400 ein. Später bekam der Countach ein flaches Dach, und der Blick nach hinten führte über den Innenspiegel durch die Heckscheibe. Die Sicht war auch wegen der kleinen Heckscheibe miserabel, vom optionalen Heckspoiler ganz zu schweigen. Viele Fahrer setzen sich zum Rückwärtsfahren auf den Türschweller und schauen über das Heck nach hinten.

  • Höchstgeschwindigkeit: 290 km/h
  • Beschleunigung: 5,4 Sek.
  • Motor: 3.9 V12, 375 PS
  • Leergewicht: 1200 KG

Silhouette

Die neuen Schweizer Eigentümer von Lamborghini sahen 1974 mehr Potenzial in zweisitzigen Sportwagen als in 2+2-Sportmodellen. So entstand auf Basis des viersitzigen Urraco der Silhouette. Ein großer Erfolg war er nicht. Mit nur 52 gebauten Exemplaren ist das Modell seltener als so manches heutige, streng limitierte Sondermodell von Lamborghini. Das Design des Silhouette stammte von Bertone. Eine Premiere für einen serienmäßig gebauten Lamborghini war das herausnehmbare Dachteil über den beiden Sitzen. Es ließ sich hinter den Sitzen verstauen. Nur drei Jahre lang wurde das V8-Modell produziert. Sein Nachfolger war der Jalpa mit nahezu unverändertem Karosseriedesign.

  • Name: Das Design erinnerte an die aggressiven Gruppe-5-Silhouettenrennwagen
  • Stammbaum: V8-Familie
  • Ersatz: Jalpa
  • Produktionszeitraum: 1976-1979
  • Produktionsvolumen: 52 Stück

Der V8-Motor klingt wie Musik in den Ohren, besonders bei herausgenommenem Dachpaneel. Doch für alle, die das anders sahen, verbaute Lamborghini ab Werk ein Alpine CM-620-Radio mit Kassettenspieler. Die Lautsprecher befanden sich in den oberen Bereichen der Sportsitze.

  • Höchstgeschwindigkeit: 260 km/h
  • Acceleratie: 6,5 sec.
  • Motor: 3,0 V8, 280 PS
  • Leergewicht: 1240 KG

LM002

Als wäre der LM002 aus Granit gehauen: kantig, robust und vor allem kernig. Er ist ein waschechter Lamborghini, war aber nicht als Sportwagen unter den Geländewagen gedacht. Der Offroader war für den militärischen Einsatz vorgesehen, was die Buchstabenkombination LM für Lamborghini Militaria erklärt. Er wurde auf einem Rohrrahmen aufgebaut, mit geraden, ebenen Karosserieblechen und Scheiben versehen und mit dem 5,2-Liter-V12 aus dem Countach ausgestattet. Dazu kam ein zuschaltbarer Allradantrieb mit drei Differenzialen und Geländeuntersetzung. Der viersitzige Geländebolide mit großer offener Ladefläche kam jedoch nicht als Militärfahrzeug zum Einsatz. Alle Exemplare gingen an Privatkunden.

  • Name: Lamborghini Militaria Projekt 2
  • Produktionszeitraum: 1986-1992
  • Produktionsvolumen: 300 Stück

Ein Geländeriese, mit dem man mühelos mit 140 km/h durch die Wüste fahren konnte. So lautete der Auftrag des Lamborghini-Managements an die Entwicklungsabteilung. Als das Auto fertig war, erhöhte die Geschäftsleitung des Sportwagenherstellers die geforderte Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h. Möglich machten das spezielle, 34,5 cm breite Pirelli-Reifen mit verstärkter Seitenwand (auch deshalb wiegt jeder Reifen stolze 35,5 kg) und einer Kante zur Sandableitung. Auf öffentlichen Straßen erreichte der LM002 sogar 210 km/h. Mit einem 290 Liter großen Benzintank musste man sich keine Sorgen machen, dass der V12-Motor bei einem solchen Tempo zu viel verbrauchte. Wohl aber um die Kosten des nächsten Tankstopps

  • Topsnelheid: 210 KM/u
  • Beschleunigung: 7,8 Sek.
  • Motor: 5,2 V12, 450 PS
  • Leergewicht: 2700 KG

Diablo SE30

Anlässlich des dreißigjährigen Bestehens von Automobili Lamborghini, das inzwischen allerdings bereits zweimal den Besitzer gewechselt hatte, brachte der Sportwagenhersteller die Special Edition 30th Anniversary, kurz SE30, auf den Markt. Als Basis diente der noch junge Diablo, der zu diesem Anlass einige Änderungen erfuhr. Eine eigenständige Frontpartie, veränderte seitliche Lüftungsgitter und ein neu gestalteter Heckspoiler kennzeichnen das Jubiläumsmodell. Unter der Karosserie kamen mehr als 30 zusätzliche PS, eine spezielle Sportauspuffanlage und eine modifizierte Radaufhängung hinzu. Die gläsernen Seitenscheiben wichen feststehenden Plexiglasscheiben, und schwere Ausstattungselemente wie Klimaanlage, Stereoanlage und Servolenkung entfielen zugunsten eines geringeren Gewichts. Charakteristisch für den SE30 ist die violette Metalliclackierung, auch wenn sie nur als Option erhältlich war. Lamborghini baute lediglich 150 Exemplare.

  • Name: Benannt nach einem Kampfstier des Herzogs von Veragua aus dem Jahr 1869.
  • Stammbaum: V12-Familie
  • Vorgänger: Countach
  • Produktionszyklus: 1990–2001
  • Produktionsvolumen: Diablo: 2.904, davon 150 SE30 und 15 Jotas

Innerhalb der limitierten SE30-Baureihe gibt es eine weitere limitierte Version: den hier ausgestellten SE30 Jota. Der Namenszusatz verweist auf die gleichnamige Ausführung des Miura, die einst als Rennwagen nach Anhang J des FIA-Reglements konzipiert wurde. Der Buchstabe J wird im Spanischen „Jota“ ausgesprochen. Zu Renneinsätzen kam es damals nie, doch aus dem Diablo wurde tatsächlich ein Rennmonster. Mit dem Jota, dessen Name auch in der Bezeichnung Aventador SVJ weiterlebt, bot der Hersteller ausgewählten SE30-Käufern ein Spaßpaket mit 70 zusätzlichen PS, aggressiver gestalteten Karosserieteilen und aerodynamisch optimierten Komponenten an. Nur 15 Liebhaber bestellten das Paket ab Werk, rund 13 weitere orderten es später nach.

  • Höchstgeschwindigkeit: 335 km/h
  • Beschleunigung: 3,9 Sek.
  • Motor: 5.7 V12, 595 PS
  • Leergewicht: 1450 KG

Diablo 6.0

Rund acht Jahre nach Produktionsbeginn erhielt der Diablo ein umfassendes Facelift – und das darf man wörtlich nehmen. Die klassischen Klappscheinwerfer wichen feststehenden Leuchteinheiten, die der neue Eigentümer Audi ausgerechnet von Nissan (300ZX) bezog. Auch die Stoßfänger und Rückleuchten wurden neu gestaltet. Wichtiger waren jedoch die Änderungen unter der Karosserie, die den Sportwagen technisch und qualitativ deutlich verbesserten. Das zeigte sich auch im überarbeiteten Innenraum. Lamborghini vergrößerte den Hubraum von 5,7 auf 6,0 Liter und holte 550 PS aus dem V12 heraus. Zum Abschied erschien die „SE“-Version, ausgestattet mit größeren Bremsen, einem kurz übersetzten Getriebe und Carbon im Innenraum. Bei der Lackierung standen das hier gezeigte „Oro Elios“ und „Marrone Eklipsis“ zur Wahl.

  • Name: Ein Kampfstier aus dem Jahr 1869. Auf Spanisch bedeutet der Name Teufel.
  • Stammbaum: V12-Familie
  • Vorgänger: Countach
  • Produktionszeitraum: 1990–2001
  • Produktionsvolumen: Diablo: 2.904, davon 42 SE-Modelle

Als Lamborghini 1998 die Führung des Volkswagen-Konzerns einlud, um über den Einsatz von Audi-Motoren in künftigen Modellen zu sprechen, hatten die Deutschen etwas ganz anderes im Sinn. „Wir sind hier, um Lamborghini zu kaufen“, lautete die Antwort des Konzernchefs. Und so geschah es. Am Nachfolger des Diablo wurde bereits gearbeitet, doch das Modell L147 Canto wurde vom neuen Eigentümer abgelehnt. Die Designabteilung musste von vorn anfangen. Da dies eine Verzögerung von drei Jahren bedeutete, erhielt der Diablo eine umfassende Modellpflege, aus der die 6.0-Modelle und neue Varianten hervorgingen.

  • Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h
  • Beschleunigung: 3,9 Sek.
  • Motor: 6,0 V12, 550 PS
  • Leergewicht: 1625 KG

Murciélago

Der erste komplett neue Lamborghini unter der Regie des (heutigen) Eigentümers Audi. Der Nachfolger des Diablo behielt seine nach oben öffnenden Scherentüren und seinen V12-Motor, erhielt jedoch ein weniger aggressives Design. Der Belgier Luc Donckerwolke entwarf das Sportcoupé und die spätere Roadster-Variante mit versenkten Lufteinlässen, die bei erhöhtem Kühlluftbedarf nach oben klappten. Das verlieh dem Sportwagen das Aussehen einer Fledermaus. Das Topmodell erschien 2009, am Ende des Modellzyklus. Mit dem Kürzel SV für Super Veloce, also superschnell, erhielt diese Version mehr Leistung, ein um 100 kg reduziertes Fahrzeuggewicht und reinen Hinterradantrieb. Lamborghini wollte nur 350 SV bauen. Tatsächlich wurden es rund 268.

  • Name: Ein Kampfstier aus dem Jahr 1879. Auf Spanisch bedeutet der Name Fledermaus
  • Stammbaum: V12-Familie
  • Vorgänger: Diablo
  • Produktionszeitraum: 2001-2010
  • Produktionsvolumen: 4.099, davon 268 SVs

Nach der Überarbeitung für den modellgepflegten Diablo 6.0 verbaute Lamborghini den V12-Motor im Murciélago. Der neue Supersportwagen teilte sich seinen Antrieb nicht nur mit seinem Vorgänger, sondern auch mit dem 350 GT. Die Grundkonstruktion des Zwölfzylinders ging nach wie vor auf Bizzarrini zurück. Im Laufe der Jahre war das Triebwerk kontinuierlich weiterentwickelt worden: von Vergasern zur Einspritzung, von zwei auf vier Ventile pro Zylinder. Der Hubraum wuchs innerhalb von fast vier Jahrzehnten von 3,5 auf 6,2 Liter. Die Leistung wurde dabei mehr als verdoppelt: von 280 PS auf 580 PS bei der Einführung des Murciélago. 2011 baute Lamborghini den letzten Bizzarrini-V12, dessen Hubraum inzwischen auf 6,5 Liter und dessen Leistung auf 670 PS (SV) gesteigert worden waren.

  • Höchstgeschwindigkeit: 342 km/h
  • Beschleunigung: 3,2 Sek.
  • Motor: 6,5 V12, 670 PS
  • Leergewicht: 1565 KG

Aventador

Rekordbrecher – auch so lässt sich der Aventador beschreiben. Der Supersportwagen setzte für Lamborghini neue Maßstäbe. Nicht nur, weil er als erster Sportwagen seit der Gründung der Marke im Jahr 1963 mit einem völlig neuen V12-Motor aufwartete, der den bis dahin größten Hubraum (6,5 Liter) und die höchste Leistung (700 PS) bot. Auch nicht nur, weil er als erster „Kampfstier“ mit einem vollständig aus Carbon gefertigten Monocoque erschien. Der Aventador LP 700-4, der im Sommer 2011 auf den Markt kam, war ein durchschlagender Verkaufserfolg und bescherte dem Werk die höchste V12-Produktion seiner Geschichte. Schon kurz nach dem Verkaufsstart übertraf das Spitzenmodell die Verkaufszahlen des Diablo und anschließend die des Murciélago. Letztlich wurden vom Aventador als Coupé und als Roadster mehr Exemplare gebaut als von all seinen Vorgängern zusammen.

  • Name: Kampfstier, der 1993 die Trofeo de la Peña La Madroñera gewann
  • Stammbaum: V12-Familie
  • Vorgänger: Murciélago
  • Produktionszyklus: 2011-2022
  • Produktionsvolumen: 11.465

Ein übertrieben großer Spoiler am hier gezeigten Aventador SVJ? Nein, er ist voll funktional. Der Heckflügel ist Teil des Aerodinamica Lamborghini Attiva-Systems, kurz ALA. Sowohl der Frontsplitter als auch die Motorhaube verfügen über aktive Klappen, die von elektrisch angesteuerten Stellmotoren geöffnet und geschlossen werden. Auf gerader Strecke öffnen sich die Klappen, sodass die Luft durch interne Kanäle strömt. Der Luftwiderstand (Drag) sinkt, was der Höchstgeschwindigkeit und der Beschleunigung zugutekommt. In Kurven schließen sich die Klappen, wodurch mehr Abtrieb und damit eine bessere Bodenhaftung erzeugt werden. Das System kann außerdem den Luftstrom im Heckflügel links und rechts unabhängig voneinander regeln, um so das Einlenkverhalten und die Bodenhaftung in Kurven zu verbessern.

  • Höchstgeschwindigkeit: 350+ km/h
  • Beschleunigung: 2,9 Sek.
  • Motor: 6,5-Liter-V12, 700 PS
  • Leergewicht: 1275 KG

Essenza SCV12

Das Sportcoupé hat weder eine Straßenzulassung noch eine Rennzulassung. Lamborghini entwickelte ein kompromissloses Sportcoupé, das ausschließlich auf Privatgelände oder bei nicht offiziellen (FIA-)Trackdays eingesetzt werden kann. Der puristische Essenza SCV12 wurde von Grund auf neu entwickelt. Die Kohlefaserkarosserie mit verstellbarem Heckflügel (1200 kg Abtrieb bei 250 km/h) beherbergt ein ebenfalls aus Kohlefaser gefertigtes Monocoque und einen analogen V12-Motor mit sequenziellem Sechsganggetriebe. Alles dreht sich um das ultimative Fahrerlebnis auf einer abgesperrten Strecke, ohne dabei gegen andere anzutreten.

  • Name: Squadra Corse (SC), Motorblock (V12), kompromisslos (Essenza)
  • Produktionszyklus: 2020
  • Produktionsvolumen: 22

Beim Essenza SCV12 bekam man als Käufer ein Rundumpaket. Das beginnt mit Einladungen von Lamborghini, gemeinsam mit anderen Besitzern an Trackdays auf „renommierten“ Rennstrecken teilzunehmen. Unterstützt wird man dabei von einem Technikerteam des Herstellers, das dem Besitzer bei Reifen, Transport und anderen technischen Fragen zur Seite steht. Zum exotischen Coupé konnte man gleich Ersatzteile dazukaufen, etwa eine zweite Karosserie (110.000 €) und eine Windschutzscheibe. Für den Fahrer gibt es außerdem eine Trinkflasche, einen 600 Gramm leichten Helm im Formel-1-Stil und einen Helmtrockner. Alles Zubehör, das die aberwitzige Fahrt im EssenzaSCV12 angenehmer machen soll, denn in dieser Rennmaschine muss man seine ganze Aufmerksamkeit den Curbs widmen.

  • Höchstgeschwindigkeit: 320+ km/h
  • Beschleunigung: 2,5 Sek.
  • Motor: 6,5-Liter-V12, 830 PS
  • Leeggewicht: 1380 KG

Revuelto

Mit dem Revuelto brachte Lamborghini seinen ersten Sportwagen mit einer Leistung von mehr als 1000 PS auf den Markt. Aus dem brandneuen 6,5-Liter-V12-Saugmotor holt der Hersteller 825 PS heraus, doch dank der Unterstützung durch drei Elektromotoren erreicht die Systemleistung 1015 PS. Die Plug-in-Technik ist nicht für rein elektrisches Fahren gedacht. Die Energie wird für eine höhere Fahrleistung genutzt. Die Batterie befindet sich zwischen den Vordersitzen.

  • Name: Spanischer Kampfstier, der um 1880 in der Arena von Barcelona kämpfte
  • Stammbaum: V12-Familie
  • Vorgänger: AVENTADOR
  • Produktionszyklus: 2023-
  • Produktionsvolumen: noch in Produktion

Der Revuelto stammt aus der Feder von Lamborghinis Designchef Mitja Borkert. Für den Entwurf ließ sich der Deutsche nicht nur von den legendären Modellen Countach, Diablo und Aventador inspirieren, sondern auch von seiner großen Leidenschaft. Mitja hat eine ausgeprägte Vorliebe für Motorräder, und das spiegelt sich im Design wider. So liegt der Motor offen, wie es auch bei Zweirädern der Fall ist. Auch die Auspuffendrohre greifen dieses Motiv auf, denn sie sind mittig und hoch im Heck angeordnet. Und wo man bei einem Rennmotorrad von hinten direkt auf den Reifen blickt … genau, da sieht man beim Revuelto seine breiten Schlappen.

  • Höchstgeschwindigkeit: 350+ km/h
  • Beschleunigung: 2,5 Sek.
  • Motor: 6,5 V12, 1015 PS
  • Leergewicht: 1772 KG

Temerario

Der digitale Drehzahlmesser reicht bis zu sage und schreibe 12.000 min-1. Zwölftausend! Der 4,0-Liter-V8 dreht allerdings maximal 10.000 min-1, und das ist für einen Turbomotor extrem – nicht zuletzt, weil die Höchstleistung von 800 PS erst zwischen 9.000 und 9.750 min-1 anliegt. Unterstützt wird der 4,0-Liter-V8 von drei Elektromotoren, wodurch die Systemleistung 920 PS beträgt. Mit diesem Antrieb verabschiedete sich Lamborghini vom analogen V10-Kraftwerk, das in den Vorgängern Gallardo und Huracan zum Einsatz kam. Erhalten blieb die kompakte Karosserie mit zentral angeordnetem Antrieb. Der Temerario wird derzeit nur als Coupé gebaut, eine Spyder-Variante folgt 2027.

  • Name: Italienisch für „Draufgänger“, benannt nach einem Stier aus Madrid (1875) 
  • Stammbaum: V8/V10-Familie
  • Vorgänger: HURACÁN
  • Produktionszyklus: 2024-
  • Produktionsvolumen: noch in Produktion

Mitja Borkert wollte, dass der Temerario auch aus großer Entfernung sofort als Lamborghini erkennbar ist, „selbst aus einem Hubschrauber“, sagte er. Aber auch aus nächster Nähe sollte er durch seine Details unverkennbar sein. Charakteristisch ist und bleibt die hexagonale Formensprache, wie sie sich im Tagfahrlicht, in den Rückleuchten, Lüftungsgittern und Auspuffendrohren zeigt. Die Sechseckform kam bei Lamborghini erstmals 1967 beim Konzeptfahrzeug Marzal zum Einsatz, das Marcello Gandini im Dienste von Bertone entworfen hatte. Anschließend wurde die Form im Design des Countach aufgegriffen.

  • Höchstgeschwindigkeit: 343 km/h
  • Beschleunigung: 2,7 Sek.
  • Motor: 4,0 V8, 920 PS
  • Leergewicht: 1690 KG