
Der amerikanische Traum: Hot Rods & Custom Rods
31. Oktober 2014
In den funfziger Jahren entstanden im Westen der USA die sogenannten Hot Rods. Viele Hot Rods basierten auf Vorkriegsmodellen von Ford und Chevrolet, wurden jedoch drastisch umgebaut.
Nicht nur wurde die Karosserie stark modifiziert, sondern auch der Motor getunt oder durch ein kraftigeres Aggregat ersetzt. Die Anpassung der Karosserie bestand darin, das Dach zu verringern (das sog. Choppen) und die gesamte Karosserie tieferzulegen, das sog. Channellen. Das Auto blieb also mehr oder weniger erkennbar. Im Allgemeinen handelte es sich um Zweisitzer mit relativ schlichten Innenraumen. Die Motoren waren oft sichtbar, sodass man die oft kunstvollen, verchromten Details des Motors bewundern konnte. Dieser Typ von Rods gilt bei Puristen als die echten, originalen Hot Rods. Ein prachtvolles Exemplar dieser Autokultur ist seit Kurzem im Louwman Museum zu bewundern. Es handelt sich um den Golden Deuce, wobei die Bezeichnung Deuce darauf verweist, dass das Auto ursprunglich ein Ford aus dem Jahr 1932 ist.

Obwohl diese Autos auch fur den taglichen Gebrauch geeignet waren, lag es aufgrund der stark verbesserten Leistungen dennoch nahe, an sogenannten Drag-Racing-Wettbewerben teilzunehmen. Dabei ging es darum, aus dem Stand und in gerader Linie eine Viertelmeile (404 Meter) so schnell wie moglich zuruckzulegen. Man fuhr gegen einen anderen Fahrer, und durch ein Ausscheidungsverfahren gab es am Ende einen einzigen Sieger! Diese Sportart, die ihren Ursprung im Westen der Vereinigten Staaten hat, hat sich zu einer der meistgesehenen Sportarten in Amerika entwickelt.
Die Hot Rods leben auch in der Musik weiter. Kunstler aus Kalifornien wie die Beach Boys und das Duo Jan und Dean haben grosse Hits geschaffen, die sich auf solche Fahrzeuge bezogen.

Schon bald entstanden weitere speziell fur Drag Races gebaute leichte, minimalistische Fahrzeuge, die Dragster. Es wurden Shows organisiert, bei denen diese Art von Autos in grosser Zahl und in voller Pracht prasentiert wurden. Herausgeputzt in extravaganten Farben und mit grossen Mengen Chrom ziehen diese Shows bis heute noch immer sehr viele Besucher an. Es wurden sogar spezielle Fahrzeuge eigens fur solche Ausstellungen gebaut. Diese Art von Fahrzeugen entwickelte sich zu dem, was spater als Show Rods oder auch Custom Rods bezeichnet wurde.

Dieser Autotyp war eigentlich fur den taglichen Gebrauch ungeeignet und buchstablich nur fur die Show gedacht. Im Louwman Museum ist der Lincoln Sedan Delivery Deco Liner ein herausragendes Beispiel fur diese Strömung.
Die Entwicklung der Custom Rods koennte eine Folge dessen sein, was in den fuenfziger und sechziger Jahren die sogenannten Concept Cars waren. Die grossen Autohersteller aus Detroit machten das ebenfalls. Mit solchen Vorabmodellen geben sie dem potenziellen Autokaeufer einen Blick in die Zukunft der amerikanischen Autos, insbesondere was deren Aeusseres betrifft.
Die Designer der Custom Rods waren in Amerika sehr bekannt. Zwei der bekanntesten Namen sind George Barris und Ed Roth. Ersterer hat zum Beispiel das Auto von Batman, das Batmobile, entworfen und gebaut.

Dass solche Entwurfe auch heute noch geschaetzt werden, laesst sich daran erkennen, dass das originale Batmobile vor Kurzem fur mehrere Millionen Dollar versteigert wurde.
Die Tatsache, dass die Hot Rods so beliebt wurden, blieb in Detroit nicht unbemerkt. Ende der sechziger Jahre entwickelten die verschiedenen großen Hersteller die sogenannten Muscle Cars. Dabei handelte es sich um eine sportlichere Ausfuhrung des ursprunglichen, etwas langweiligen Konzepts. Sie sahen aus wie normale Serienfahrzeuge, aber unter der Motorhaube befand sich ein sehr kraftvoller Motor mit meist 7000 ccm Hubraum und einer Leistung von nahezu 400 PS. Die Olkrise von 1973 sorgte leider dafur, dass die Nachfrage weit hinter den Erwartungen zuruckblieb, wodurch die Zahl der heute noch existierenden Fahrzeuge gering ist. Der Plymouth Road Runner Superbird im Louwman Museum ist ein prachtiges Beispiel fur das ultimative Muscle Car.
Der Bau sowohl der ursprunglichen Hot Rods als auch der Custom Rods ist im Grunde immer eine Hobbyindustrie geblieben. Die Produktion dieser Art von Autos wurde von den großen Herstellern bewusst oder unbewusst gemieden. Der einzige Versuch, der in diesem Bereich unternommen wurde, konnte der Dodge Prowler sein. Mit etwas Fantasie konnte man darin einen Street Rod sehen. Motorisch ware jedoch eine gewisse Anpassung wunschenswert!
Heutzutage basieren die eher modernen Street Rods immer noch auf den alteren Modellen der amerikanischen Autoindustrie, vor allem aus den funfziger und sechziger Jahren. Obwohl dies einen stark amerikanischen Charakter hat, gibt es auch in Europa eine Hot Rod Kultur. Die Autos sind vielleicht etwas weniger flamboyant, aber die Qualitat der Handwerkskunst der Erbauer ist unverkennbar.
Trotz der Tatsache, dass es ein stark traditionsgebundenes Ereignis ist, entwickelt sich ein neuer Trend, der Rat Rod.

Dieser Typ zeichnet sich dadurch aus, dass die an der Karosserie vorgenommenen Veranderungen unvollendet zu sein scheinen. Das ist jedoch eine Tauschung. Das Auto ist genauso sauber und ordentlich, wie es sich fur einen echten Hot Rod gehort, hat aber ein raues, rostiges Aussehen.
Auch in den Niederlanden lebt die "Bewegung". Auch hier gibt es Shows, auf denen man die verschiedenen Arten von Rods bewundern kann. Ob man sie schoen oder haesslich findet, spielt keine Rolle, das handwerkliche Koennen, das noetig ist, um diese Autos zu bauen, ist unverkennbar. Ausserdem ist es etwas voellig anderes!
Peter Helbach