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Eine Daimler Trilogie (Teil 2)

Eine Daimler Trilogie (Teil 2)

24. April 2014

Im vorherigen Teil beschrieben wir die drei Erscheinungsformen der Marke Daimler. Die Geschichte der ursprunglichen deutschen Variante ist naturlich bekannt, aber es gibt Aspekte, die wir in der folgenden Darstellung hervorheben mochten.

Ende der zwanziger Jahre beschlossen Daimler und Benz, zusammenzugehen. Dies schien eine eher ungewohnte Kombination zu sein. Die beiden Unternehmen unterschieden sich deutlich voneinander. Mercedes baute die klassischen, kraeftigen Automobile, die schon damals als typisch fuer die deutsche Zuverlaessigkeit galten. Benz hingegen fertigte eher experimentelle Wagen, wie zum Beispiel den Benz fuer die Prinz Heinrichfahrt im Jahr 1910, der in seiner Gestaltung fortschrittlich und motorisch sehr hoch entwickelt war. Benz hatte zudem bereits in den zwanziger Jahren als erster einen Grand-Prix-Wagen mit dem Motor im Heck gebaut, den sogenannten Tropfenwagen

Die endgultige Fusion fand 1926 statt, und das erste von Mercedes-Benz gebaute Auto war das Modell K. Im Louwman Museum ist ein Exemplardieses Modellszu finden, ausgestattet mit einer Karosserie des franzosischen Karosseriebauers Saoutchik.

Eine Daimler Trilogie (Teil 2)

Der Motor dieses Autos, ein 6,9-Liter-Sechszylinder mit Kompressor, wurde von Ferdinand Porsche entwickelt. Dieser Motor sollte auch als Grundlage fur den Antrieb spaterer Modelle dienen, darunter der legendaere SSK.

Die neue Kombination bluhete auf und baute Autos im Mittelklasse und oberen Segment. Das Image der Marke wurde durch Erfolge im Rennsport gestaerkt, mit natürlich als Hohepunkt den Silberpfeilen aus der zweiten Haelfte der dreissiger Jahre. In dieser Zeit machte Mercedes einen Seitensprung. Aufgrund des Wunsches des NS Regimes, ein Auto fuer das Volk zu schaffen, wurde der Typ 170H entwickelt, ein kompakter Viersitzer mit Heckmotor.

Ein dreiteiler Daimler (Teil 2)

Gegner in diesem Wettbewerb war Ferdinand Porsche, der sich als unabhangiger Konstrukteur etabliert hatte, nachdem er Daimler Benz verlassen hatte. Porsches Volkswagen setzte sich schliesslich durch, wurde jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg wirklich in Massenproduktion hergestellt.

Nach dem Krieg waren es schwierige Zeiten fur die Automobilindustrie und besonders fur die deutschen Hersteller. Die Alliierten hatten Beschrankungen auferlegt, was man herstellen durfte und was nicht. Dies galt naturlich auch fur Mercedes-Benz, das im Krieg einen wichtigen Beitrag in Form der Produktion unter anderem von Flugzeugmotoren geleistet hatte.

Nachdem die Beschrankungen aufgehoben worden waren, wurden die Silberpfeile aus der Vorkriegszeit bei Rennen in Sudamerika erprobt. Hinter den Kulissen wurde zudem an einer Ruckkehr in die Formel 1 und den Langstreckenrennsport gearbeitet.

Das Merkwurdige ist, dass in diesem Zeitraum in Deutschland nur eine kleine Zahl von Marken im Motorsport aktiv war. Naturlich waren die Folgen des Krieges noch lange nicht uberwunden, aber es dauerte relativ lange, bis sich andere deutsche Marken mit der europaischen Konkurrenz messen konnten. Vor allem die Produkte der Nachkommen eines ehemaligen Mitarbeiters von Daimler Benz, Ferdinand Porsche, zogen die Aufmerksamkeit auf sich.

Nach der kurzen und ausserst erfolgreichen Phase Anfang der funfziger Jahre wurde der Erfolg des Aufstiegs von Mercedes-Benz plotzlich durch die verheerende Katastrophe von Le Mans 1955 beendet. Mercedes-Benz zog sich vollstandig aus dem Motorsport zuruck und konzentrierte sich anschliessend auf die Produktion von Personenkraftwagen.

Ruckblickend scheint dies eine gute Strategie gewesen zu sein. Die sportlichen Autos von Mercedes waren schon zu ihrer Zeit legendär. Neue Rennmodelle mussten nicht gebaut werden, um den Mythos aufrechtzuerhalten. Ein wichtiger Grund fur die Ruckkehr in den Motorsport waren die Entwicklungen bei Porsche und BMW. Diese Marken, insbesondere erstere, konzentrierten sich auf den sportlichen Fahrer und waren damit mit ihren Autos mit kleineren Motoren sehr erfolgreich. Etwas, wovon sich Mercedes weit fernhielt.

Dies anderte sich mit dem Erscheinen des Mercedes 190 E 2.3-16 im Jahr 1980, der mit einem 2,3-Liter-Motor ausgestattet war, der vom englischen Unternehmen Cosworth entwickelt wurde.

Ein Triptychon Daimler (Teil 2)

Diese Autos eigneten sich besonders gut fur die Teilnahme an Rennen, und genau das geschah auch. Schnell ubernahm Mercedes-Benz eine fuhrende Rolle in der DTM, die das Unternehmen bis heute innehat. Ausserdem nahm man, gewissermassen durch die Hintertur, an Langstreckenrennen teil. Dies geschah uber den Schweizer Rennwagenhersteller Sauber. Mercedes-Benz lieferte die Motoren, die Sauber schliesslich die Weltmeisterschaft einbringen sollten. Das im Louwman Museum gezeigte Modell C 8 war das erste Sauber-Modell, das mit einem Mercedes-Motor ausgestattet war. Spater wurde ebenfalls uber Sauber die Ruckkehr von Mercedes-Benz in die Formel 1 eingeleitet.

Auch die Rennstrecken in Amerika wurden erobert, indem Motoren an Teilnehmer fur Rennen wie das Indianapolis 500 geliefert wurden.

Die fruheren Erfolge in den Grands Prix und der Formel 1 mit den damit verbundenen technologischen Herausforderungen fuhrten letztendlich doch dazu, auf das hochste Niveau zuruckzukehren. Die Ergebnisse dieser Ruckkehr sind so, wie wir sie im Laufe der Jahre von der Marke gewohnt sind: uberwaeltigend. Wie die Franzosen sagen: l'histoire se repete.

Sportlich lief und lauft es fur Mercedes also sehr gut. Auch die Produktion von Personenkraftwagen und nicht zu vergessen von Lastwagen hat sich im Laufe der Jahre erfolgreich entwickelt. Merkwurdig ist allerdings, dass auf der Produktion von Kleinwagen offenbar ein Fluch zu liegen scheint. Das Abenteuer mit dem Smart hat Berichten zufolge sehr viel Geld gekostet. Auch die Einfuhrung der sogenannten A-Klasse verlief nicht ohne Stocken. Der untrennbar mit diesem Auto verbundene Elchtest war gelinde gesagt ein Fehlstart. Dennoch hat sich die ursprungliche Fusion auch nach 90 Jahren noch immer als erfolgreich erwiesen.

Naturlich sind die heutigen Umgebungsfaktoren nicht mit dem Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts vergleichbar. In der Anfangszeit gab es nur einige wenige kleinere Hersteller, die Autos bauten, die es mit Mercedes aufnehmen konnten. Heute sind es Riesen wie BMW und Audi sowie eine Reihe anderer Marken ausserhalb Deutschlands, die mit Mercedes-Benz konkurrieren.

Es ist zudem bemerkenswert, dass Ferdinand Porsche, der zunaechst ein geschaetzter Mitarbeiter des Fusionsunternehmens war, schliesslich an der Wiege eines der groessten Konkurrenten von Mercedes stand, des Volkswagen-Konzerns, zu dem sowohl Audi als auch Porsche gehoeren.

Peter Helbach