
Frau sucht den Klassiker ihrer Traume - Teil 2
5. Januar 2016
In der ersten Folge habe ich als junger ,poor mans Bugattiste, von den Vorbereitungen und der Suche nach meinem ,Traumauto, erzaehlt. Dem Leser ist klar geworden, dass es sich um einen Vorkriegsrennwagen franzoesischer Herkunft handelt.
Auf der Rennstrecke von Zandvoort hatte ich die einmalige Gelegenheit, mir mehrere Autos des von mir begehrten Typs aus der Nahe anzusehen und in Aktion zu erleben. Und fast noch besser: Ich konnte als Beifahrer die echte Performance direkt auf der Strecke miterleben.

Die Bugattis (jawohl!), in denen ich mitgefahren bin, sind fur eine junge Autojournalistin leider unerreichbar, aber einige andere Marken haben mich sehr angesprochen. Englische Rileys sind naturlich echte, wilde Tempoteufel, aber franzosische Marken wie Amilcar, Salmson (Samilcar) uben eine noch grosere Anziehungskraft auf mich aus.


Andere wie BNC und Rally (ubrigens auch franzosisch) sind echt toll, aber einfach zu selten und relativ teuer.
Meine Vorliebe stand fest, also konnte ich loslegen. Es sollte ein Amilcar werden, der letztendlich einem Salmson vorgezogen wurde, und zwar einer, der zum groessten Teil fertig war, sodass man sofort Spass damit haben konnte, also kein endloses Projekt. Schoen, einen Plan zu haben, aber wie setzt man so etwas um? Wo faengt man an und wie macht man weiter?
Zunaechst sucht man auf naheliegenden Internetseiten wie Prewarcar und in verschiedenen Zeitschriften wie La Vie de lAuto. Auch die franzoesischen Seiten wie leboncoin sind sehr nuetzlich, denn ich war ja auf der Suche nach einem franzoesischen Cyclecar. Ich gehe selbst gern direkt auf etwas zu, und der erste Kandidat, den mein Vater fuer mich gefunden hatte, war ein sehr besonderes Amilcar CC. Uebrigens hat mein Vater mir enorm gut geholfen. Ich spreche noch kein gutes Franzoesisch, und wenn man nach einem franzoesischen Auto sucht oder in Frankreich recherchiert, braucht man eigentlich jemanden, der die Sprache spricht. Aber nicht nur das. Mit Schulfranzoesisch kommt man nicht weit, denn dort lernt man nicht, wie eine Nockenwelle oder eine Kurbelwelle auf Franzoesisch heisst! Weiterlernen hat also durchaus seinen Sinn. Wie du unten lesen kannst, war das erste Amilcar, das in Frage kam, ein echter Exot. Ich hatte es ueber Leboncoin gefunden und wollte zunaechst nichts von diesem Amilcar wissen. Es war ein fruehes Modell aus den fruehen Zwanzigerjahren mit einem Motor von etwa 900 ccm. Ich wollte einen kraeftigen CGS oder CGSs und nicht ein halbes Auto, das wie ein Hundekoerbchen auf Raedern aussah. Bei naeherem Hinsehen fand ich es dann doch ein witziges kleines Auto, und der Preis war sehr guenstig. Im Laufe der Zeit hatte ich uebrigens festgestellt, dass mein Budget leider nicht fuer einen schoenen CGS oder CGSs ausreichte.

Fast waren mein Vater und ich in das Loiretal aufgebrochen, und der Termin stand bereits fest, um uns das Hundekoerbchen anzusehen. Selbstverstaendlich haben wir uns vorher ausfuehrlich informiert und mit dem gekauften Amilcar Buch gruendlich herumgeraetselt. Die Bibel der Amilcars ("Amilcar" von Fournier und Burgess-Wise, Verlag Dalton Watson) war dabei aeusserst nuetzlich.
Man muss naturlich immer sehr wachsam gegenuber Betrugern sein und gut vorbereitet losziehen. Trotz aller Informationen, die wir vom CC bekommen hatten, kamen bei uns doch Zweifel auf. Man fragt naturlich verschiedene Bekannte, die (noch) mehr daruber wissen. Die Empfehlung zu diesem CC war geteilt. Die Kenner hatten ebenfalls Fragezeichen, aber viele andere fanden es doch auch wieder ein besonderes Exemplar. Die Entscheidung muss letztendlich vom angehenden Kaufer getroffen werden, und das Bauchgefuhl sagte, dass etwas nicht ganz stimmte. Das Hundekorbchen soll ein Werks-Testwagen gewesen sein und daher die Karosserie, die dort eigentlich nicht hingehorte. Auch bei der angegebenen Hohchstgeschwindigkeit von 110 km/h hatten wir unsere Zweifel! Mit zu vielen Zweifeln und dennoch dem Wunsch, etwas Besseres zu haben, habe ich dieses Spielzeug dann doch vorbeiziehen lassen. Im Nachhinein hat sich das als eine sehr gute Entscheidung erwiesen.
Mein Vater und ich konnten also wieder loslegen. Viele Amilcars kamen zur Auswahl, und wir haben alle Verkaeufer angerufen und ausfuehrlich nach Details gefragt. Dabei stellte sich heraus, dass selbst bei den weniger bekannten Amilcars vieles nicht stimmt und man enorm aufpassen muss. Schliesslich waren es sportliche Autos, die zu ihrer Zeit stilvoll gefahren wurden, und da ging eben auch immer wieder mal etwas kaputt. So kann es zum Beispiel gut sein, dass man einen Amilcar findet, bei dem die Hinterachse und/oder das Getriebe von einem alten Citroen stammt. Oder ein verkuerztes Fahrgestell, bei dem man ganz besonders vorsichtig sein muss, wenn es um die Erteilung eines niederlaendischen Kennzeichens geht. Der RDW wird ein verkuerztes Fahrgestell auf keinen Fall genehmigen, was bedeutet ... KEIN Kennzeichen. Und wenn das in den Niederlanden abgelehnt wurde, gilt das automatisch auch fuer alle anderen EU Laender.
Manchmal muss man einfach mal aktiv werden, ins Auto steigen und sich alles in der Realitat ansehen. So lag zum Beispiel einmal ein CS auf unserer Route, den wir uns in Ruhe anschauen und mit dem wir sogar ein Stuck fahren konnten. Auch dabei fiel wieder auf, dass an diesem Auto eine Menge nicht stimmte, und genau das hat sich als sehr lehrreich erwiesen. Das endgultige Ergebnis, das ich schon einmal vorwegnehmen kann, kann sich auf jeden Fall sehen lassen!
Zu einem bestimmten Zeitpunkt stiess ich auch noch auf ein Salmson-Projekt, obwohl diese Marke nicht (mehr) auf meiner Shortlist stand. Sehr interessant, denn es handelte sich um einen Typ VAL GS mit zwei obenliegenden Nockenwellen. Wir wollten trotzdem etwas mehr daruber wissen. Nach vielem Nachdenken, Recherchen und Gesprachen mit Bekannten und dem jetzigen Besitzer erfuhren wir eine Menge uber dieses Auto. Zum Beispiel, dass man sich immer alle aktuellen Fotos ganz genau ansehen und mit Fotos von fruheren Autos vergleichen muss. Aber auch der Ort, an dem die Fotos dieses GS aufgenommen worden waren. Als sich dann herausstellte, dass bei diesem Handler noch weitere Salmsons standen und er anderswo auch mit Ersatzteilen warb, bekamen wir das Gefuhl, dass dieser Mann aus vielen Einzelteilen Autos zusammenbaute und somit auch keine originalen Fahrzeuge anbot. Diese und andere Probleme werden ausfuhrlich in meinem nachsten und letzten Bericht behandelt.
Text von Rosemarijn Atalante Veenenbos ("CRANKHANDLEBLOG") und
Redaktion Louwman Museum