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Geschwindigkeitsrekorde zu Land und in der Luft

Geschwindigkeitsrekorde zu land und in der luft

3. Januar 2014

Anfang des letzten Jahrhunderts waren Flugzeuge und Autos fur die breite Masse finanziell unerschwinglich, aber gerade deshalb waren Berichte uber spannende Ereignisse am Boden und in der Luft regelmassig grosse Schlagzeilen und regten die Fantasie der Menschen stark an.

Sowohl bei Autos als auch bei Flugzeugen spielt das Gewicht eine grosse Rolle. Denn selbst wenn bereits ein geeigneter Motor verfugbar war, hatte dieser nur eine sehr begrenzte Leistung, musste damit aber im Fall eines Flugzeugs, das mit Pilot sicher ein paar hundert Kilo wog, in der Luft gehalten werden. Auch der Aspekt der Zuverlassigkeit spielt naturlich eine Rolle. Ein Motorschaden bei einem Flugzeug ist schwieriger zu handhaben als bei einem Auto; denken Sie zum Beispiel einmal daran, wo Sie im Pannenfall landen wollen oder uberhaupt landen konnen.

Um die Zuverlassigkeit zu testen, wurden sogenannte Ausdauerwettbewerbe veranstaltet. Hersteller konnten auf diese Weise ihre Produkte unter fur alle gleichen Bedingungen auf die Probe stellen. Gute Leistungen bei solchen Veranstaltungen waren oft entscheidend fur den kommerziellen Erfolg.

Der nachste Schritt ist der der absoluten Geschwindigkeit. Ende 1903, als die Bruder Wright das erste Flugzeug gerade erst geflogen hatten, fuhr das Auto bereits mit mehr als 120 km/h. Dieser Rekord wurde von Leon Serpollet mit einem wohlgemerkt dampfbetriebenen Auto der Marke Gardner-Serpollet aufgestellt. Diese fur jene Zeit ungeahnte Geschwindigkeit wurde auf der Boulevard des Anglais in Nizza erreicht. Nichts, was man heutzutage unbedingt nachahmen sollte!

Fruehere Geschwindigkeitsrekorde an Land wurden uebrigens von Fahrzeugen aufgestellt, die gerade nicht von einem Verbrennungsmotor angetrieben wurden. Das bekannteste davon ist La Jamais Contente, ein Elektroauto, mit dem der Belgier Camille Jenatzy im Jahr 1899 als Erster die magische Grenze von 100 km/h durchbrach.

Geschwindigkeitsrekorde zu Land und in der Luft

Camille Jenatzy in 'La Jamais Contente'

Einer der Hauptgrunde, warum man alternative Kraftquellen einsetzte, war, dass die Verbrennungsmotoren jener Zeit schlicht (noch) nicht genug Leistung hatten. Der Aufschwung des Rennsports fuhrte jedoch dazu, dass in kurzer Zeit leistungsstarke Motoren entwickelt wurden. Das Problem war allerdings, dass diese Motoren zu schwer waren, um sie in den oft fragilen Flugzeugen einzubauen.

Es war sogar so, dass Autos so schnell wurden, dass die offentliche Strasse als Ort nicht mehr ausreichte. Der letzte offizielle Geschwindigkeitsrekord, der auf offentlicher Strasse aufgestellt wurde, ist der von William Vanderbilt (dem amerikanischen Magnaten) im Jahr 1902 mit einer Geschwindigkeit von 122 km/h am Steuer eines Mors.

Es wurde eifrig nach besser geeigneten Orten gesucht, um Rekorde aufzustellen. Einer der bizarrsten war auf einem zugefrorenen See, auf dem der Ford 999 Racer mit Henry Ford selbst am Steuer im Januar 1904 eine Geschwindigkeit von 147 km/h erreichte. Dieser Rekord wurde jedoch nicht vom 'Automobile Club de France' anerkannt, der damals fur solche Angelegenheiten zustandig war.

Der amerikanische Stanley Rocket, ein dampfbetriebenes Auto, erreichte im Jahr 1906 eine Geschwindigkeit von nicht weniger als 206 km/h. Dies war das erste Mal, dass ein Auto schneller fuhr als ein Zug, aber auch dieser Rekord wurde nicht anerkannt. Man muss bedenken, dass beide Versuche in Amerika unternommen wurden und somit weit ausserhalb des Blickfelds der in Paris ansassigen Dachorganisation lagen.

Schnelles Fliegen mit einem Flugzeug war naturlich uberall moglich und wurde auch praktiziert. Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs flog man bereits mit mehr als 200 km/h. Die Franzosen (wie konnte es auch anders sein) gaben mit den Eindeckern von Deperdussin den Ton an.

Das schnellste Auto im Jahr 1914 war der Blitzen Benz, ein Wagen mit einem Vierzylindermotor von mehr als 21 Litern Hubraum und einer Leistung von fast 200 PS, der in diesem Jahr auf der Rennstrecke von Brooklands in England nahezu 200 km/h erreichte.

Die Geschwindigkeit zu Land und in der Luft war damit noch einigermaßen im Gleichgewicht.

Neben unermesslichem menschlichem Leid sind Kriege durch große technologische Fortschritte gekennzeichnet. Der Erste Weltkrieg bildete hier keine Ausnahme. Flugzeuge im Jahr 1918 aehnelten in keiner Weise den Brikken von 1914. Auch in motorischer Hinsicht gab es enorme Fortschritte. Kompakte, relativ leistungsstarke Motoren verliehen den Jagdflugzeugen Leistungen, von denen man zu Beginn des Krieges nur traeumen konnte.

Der Need for Speed war in den zwanziger Jahren noch voll lebendig, und erneut waren es die Franzosen, die den Ton angaben. 1921 flog eine Nieuport mit einem Delage Motor bereits 330 km/h!

Die Hegemonie der Franzosen ging jedoch zu Ende. Unter anderem infolge des Ersten Weltkriegs mit den damit verbundenen technischen Fortschritten hatten die Engländer als (Mit-)Sieger das Momentum auf ihrer Seite. Es wurden grosse und vor allem deutlich leistungsstarkere Flugzeugmotoren entwickelt, die spaeter dazu bestimmt waren, noch groessere Flugzeuge anzutreiben. Frankreich hingegen spuhrte die Nachwirkungen des Krieges und lebte von dem, was zuvor entwickelt worden war. Deutschland, im Krieg stark in technologischen Entwicklungen, hatte verloren und konnte und durfte buchstaeblich nichts mehr.

Man muss sich daruber im Klaren sein, dass Flugzeuge und Autos in ihren aerodynamischen Eigenschaften vollig unterschiedlich sind. Um eine bestimmte Geschwindigkeit zu erreichen, benotigt ein Flugzeug in der Regel deutlich weniger Leistung als ein Fahrzeug.

Im Allgemeinen gilt, dass man, um eine um 25% hoehere Geschwindigkeit zu erreichen, einen Motor braucht, der ein Vielfaches dieses Prozentsatzes an zusaetzlicher Leistung liefern muss, um das Ziel zu erreichen. Das Gewicht des Objekts ist dabei ein sehr wichtiger Faktor. Flugzeuge, die zum schnellen Fliegen eingesetzt werden, sind zum Beispiel deutlich leichter als Rekordautos.

Kurz gesagt, der grosse Unterschied ist die Eleganz eines Flugzeugs gegenuber der rohen Gewalt eines Rekordwagens. Die loesung dieses Problems wurde darin gefunden, die neuen, teils noch mehr oder weniger experimentellen Flugzeugmotoren in Rekordwagen einzubauen. Ein klassisches Beispiel fuer etwas Derartiges ist der Golden Arrow, der kuerzlich im Louwman Museum ausgestellt wurde. Das Auto wiegt etwa 3500 kg und erreichte 1929 eine Geschwindigkeit von 372 km/h an einem Strand in Florida, Amerika.

Geschwindigkeitsrekorde zu Land und in der Luft

Der Golden Arrow wahrend des Rekordversuchs im Jahr 1929

Im selben Jahr stellte das Schwimmerflugzeug Supermarine S6 einen Rekord von 575 km/h auf. Dieses Flugzeug hatte zwar einen starkeren Motor, wog aber nur 2800 kg.

Geschwindigkeitsrekorde zu Land und in der Luft

Die Supermarine S6 von 1926 kurz vor dem Start

Beim Aufstellen von Geschwindigkeitsrekorden galten und gelten strenge Regeln: Die Autos mussten angetriebene Raeder haben und innerhalb einer Stunde den gemessenen Kilometer (oder die Meile) in beide Richtungen zuruecklegen (schwieriger als es klingt). Der Durchschnitt dieser beiden Fahrten stellte dann gegebenenfalls den Rekord dar. Fuer Flugzeuge galt das ebenfalls. Waerend des Rekordversuchs durfte man ausserdem nicht hoeher als 100 Meter fliegen, eine Vorschrift, die spaeter aus Sicherheitsgruenden abgeschafft wurde.

Was waren die Verdienste eines Geschwindigkeitsrekords, abgesehen von der Erwaehnung in den Geschichtsbuechern?

Der Schnellste an Land erhielt die Wakefield Trophy, eine massive Silberstatue, von der ein Exemplar im Louwman Museum zu sehen ist.

Geschwindigkeitsrekorde zu land und in der luft

Die Wakefield Trophy im Louwman Museum

In der Luftfahrt gab es in den zwanziger und dreissiger Jahren die Schneider Trophy. Dies war ein sehr prestigetraechtiger Wanderpokal fuer den Sieger dieses Laenderwettbewerbs (also Rennens) fuer Wasserflugzeuge. In dieser Zeit war das Wasserflugzeug naemlich der schnellste Flugzeugtyp der Welt. Bei den Rennen um die Schneider Trophy wurden daher regelmaessig Rekorde aufgestellt. Schliesslich wurde die Schneider Trophy von England gewonnen.

In dem genannten Zeitraum gab es eine regelrechte Rekordjagd, zu Land wie in der Luft, bei der die Autos immer grosser, schwerer und kraftvoller wurden. Der Hohepunkt war der Thunderbolt aus den Jahren 1937-1938, der zwei Rolls-Royce-Flugmotoren mit einer Gesamtleistung von 4700 PS besass. Dieses Auto wog daher fast 7.000 Kilo und erreichte auf den Salzebenen von Bonneville eine Geschwindigkeit von 555 km/h. Die Motoren waren vom gleichen Typ, mit dem das bereits erwahnte Flugzeug Supermarine S6 im Jahr 1929 575 km/h erreichte, allerdings nur mit einem einzigen Motor!

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1936 Thunderbolt ohne Karosserie

Das war vor dem Zweiten Weltkrieg. Wie ist es heute?

Der absolute Geschwindigkeitsrekord an Land wird vom Engländer Andy Green mit einer Geschwindigkeit von 1223.657 km/h gehalten, aufgestellt 1997 mit dem Thrust SSC. Dies war das erste Mal, dass ein Fahrzeug die Schallmauer durchbrochen hat. Dieses Fahrzeug wird von zwei riesigen Strahltriebwerken angetrieben und hat keine angetriebenen Räder.

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Der supersonische Thrust SSC

Der traditionelle Rekord wird seit 1964 von Donald Campbell mit dem Bluebird CN7 mit einer Geschwindigkeit von 644 km/h gehalten.

In der Luft geht es deutlich schneller. Die legendaere SR71 'Blackbird' erreichte 1976 eine Geschwindigkeit von 3529 km/h, uebrigens in grosser Hoehe. Hier geht es um die Kategorie der durch Strahltriebwerke angetriebenen Flugzeuge, die normal starten oder landen koennen.

Die Space Shuttle zum Beispiel fliegt mit Geschwindigkeiten von mehr als 30 Mal der Schallgeschwindigkeit (mehr als 30.000 km/h), verfugt aber uber Raketenantrieb und kann zudem nicht selbststandig von der Erde starten.

Peter Helbach