
Im Rampenlicht: 1952 Aston Martin DB3 Werksrennwagen
3. September 2015
Die Marke Aston Martin hat eine ruhmreiche Geschichte im Rennsport. Diese entstand unter anderem durch viele erfolgreiche Einsatze bei Langstreckenrennen in den funfziger Jahren.
Der Hohepunkt war der Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans im Jahr 1959. Das erste reine Rennfahrzeug, das nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde, war das Modell DB3, das im Louwman Museum zu sehen ist.

Automobile der Marke Aston Martin wurden ab 1923 in kleiner Stuckzahl von Lionel Martin und Richard Bamford in einer Werkstatt in London hergestellt. Einige Jahre spater zog man nach Feltham um und dreiBig Jahre danach nach Newport Pagnell. Beide Herren hatten bereits 1914 ein Auto gebaut, das an einem Bergrennen bei Aston Clinton teilgenommen hatte. Unter anderem dadurch entstand der Markenname Aston Martin.
Die Produktion exklusiver schneller Sportwagen verlief schleppend, und schon bald musste das noch junge Unternehmen seine Tore schliessen. Ein Neustart im Jahr 1926 gelang jedoch schnell, ausgehend von einem Werk in Feltham. Die Wagen waren weiterhin sportlich, aber einfacher konstruiert als die fruheren Modelle. Im Mittelpunkt stand ein von A.C. Bertelli entwickelter Motor, ein 1,5-Liter-Vierzylinder mit etwa 50 PS, der dank seines geringen Gewichts gute Fahrleistungen ermoglichte. Sportlich lief es fur Aston Martin sehr gut, der Verkauf der Wagen war ordentlich, doch die finanzielle Lage blieb heikel. Ein Versuch, sich Ende der dreissiger Jahre mit Frazer Nash zusammenzuschliessen, scheiterte, und der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erwies sich letztlich als verheerend.
Als 1945 wieder Ruhe eingekehrt war, war Aston Martin ein dahinsiechendes Ganzes. Die Nachfrage nach der Art von Autos, die sie bauten, war weitgehend weggebrochen. Man beschloss, eine Anzeige in der prestigetrachtigen Zeitung "The Times" zu schalten, um einen Kaufer zu finden. Dieser wurde gefunden, doch dafur mussen wir noch einmal kurz in die Zeit vor dem Krieg zuruckkehren.
Die Industrielle Revolution begann damals im Norden Englands. Die dortige No-Nonsense-Mentalitat war ganz anders als im sudlichen Teil des Landes. Man packte tatkraftig an. So auch in dem Ort Huddersfield in Yorkshire, wo David Brown im Familienunternehmen arbeitete, das Zahnrader herstellte. Er wollte jedoch mehr und begann mit dem Bau von Traktoren. Dies tat er zusammen mit einem gewissen Harry Ferguson. Nach einiger Zeit gerieten sie in Streit, woraufhin David Brown weiterhin Traktoren fur den englischen Markt baute. Ferguson ging nach Amerika, wo er dasselbe fur den dortigen Markt tat, unter dem spatere Namen Massey-Ferguson.
Die Maschinen von David Brown verkauften sich gut und er wurde ein vermogender Mann. Als er die Anzeige uber Aston Martin las, war die Entscheidung daher schnell getroffen. Fur einen Betrag von etwa 20.000 Pfund kaufte er das Unternehmen, das im Grunde nicht viel mehr war als einige Fabrikhallen mit Maschinen und einigen Fahrgestellen von Vorkriegsmodellen. David Brown war ein echter Unternehmer und erkannte auch ziemlich schnell, wie es weitergehen musste. Dazu kaufte er auch noch die Marke Lagonda. Diese Fabrik befand sich in einem ahnlich dahinsiechenden Zustand wie Aston Martin, hatte aber eines, das Aston nicht hatte: einen guten Motor, um einen modernen Sportwagen der Nachkriegszeit anzutreiben. Es handelte sich um einen Reihensechszylindermotor, der von der legendaeren Figur W.O. Bentley in der Zeit entworfen worden war, als er als Konstrukteur bei Lagonda tatig war. Der Motor war mit zwei obenliegenden Nockenwellen ausgestattet, fur jene Zeit sehr modern.
Der Ehrgeiz von David Brown war gross. Er wollte an die Erfolge von Aston Martin im Rennsport anknupfen. Unterstutzt wurde er dabei von seinem Landsmann St. John Horsefall. Dieser Fahrer hatte bereits in der Vorkriegszeit Rennen am Steuer eines Aston Martin gewonnen. Mit einem experimentellen 2-Liter-Wagen nahm er in der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg an Rennen in Spa-Francorchamps teil. So gewann er 1946 auf dieser Strecke bereits ein Rennen mit einem Vorkriegsmodell. 1948 krönte er seinen Einsatz bei den prestigetrachtigen 24 Stunden von Spa-Francorchamps, einem Rennen fur Serienfahrzeuge, mit einem Sieg am Steuer des altmodisch wirkenden Aston Martin, des DB1. Sein Teamkollege war Leslie Johnson. Das kleine Team stand unter der Leitung von John Wyer, der spater zu einem der beruhmtesten Teammanager im Langstreckenrennsport werden sollte.
Das Design eines modernen Rennwagens entstand unter der Leitung eines deutschen Ingenieurs, Prof. Dr. Eberan von Eberhorst. Dieser war in der Vorkriegszeit verantwortlich fur die Grand-Prix-Wagen von Auto Union (Typ D). Nach dem Krieg war er aus der russischen Zone geflohen und hatte fur Ferdinand Porsche gearbeitet, unter anderem am Cisitalia-Grand-Prix-Projekt. Er hatte eine Arbeitserlaubnis in England erhalten und wurde von David Brown engagiert. Von Eberhorst war ein sehr kompetenter, aber vor allem konservativer Konstrukteur. Zudem verfugte man bei Aston Martin nicht uber ein nahezu unbegrenztes Budget, wie es bei Auto Union der Fall gewesen war. Dies fuhrte von Zeit zu Zeit zu Spannungen zwischen Wyer und The Professor.
Das Auto, das schliesslich, spaeter als geplant, das Licht der Welt erblickte, wurde DB3 getauft. Es war ein offenens, zweisitziges Fahrzeug mit klaren Linien. Angetrieben wurde es von dem zuvor erwaehnten sechszylinder Ex-Lagonda-Motor.

Als Aston Martin 1952 an den Rennen teilnahm, konnte der Hersteller aus der Creme de la Creme der britischen Fahrer waehlen. Neben etablierten Namen wie Reg Parnell standen auch Lance Macklin und George Abecassis zur Verfuegung. Auch junge Talente wie Peter Collins und Geoff Duke erhielten die Chance, ihr Koennen unter Beweis zu stellen.
Der auffalligste Erfolg, der 1952 erzielt wurde, war ein siebter Platz beim Grossen Preis von Monaco. Dieses Rennen war nicht fur Formel 1 Wagen, sondern fur Sportwagen. Alle wichtigen Werksteams nahmen teil, und auch viele Formel 1 Fahrer hatten sich ins Cockpit gesetzt, um an diesem prestigetrachtigen Rennen teilzunehmen. Ein siebter Platz scheint daher ein gutes Ergebnis fur ein neues Auto zu sein. Die Geschichte des Rennens ist leider eine andere. Wahrend des Trainings kam der italienische Veteran Luigi Fagloli ums Leben, was naturlich ein schwerer Schlag war. Nachdem 18 qualifizierte Wagen gestartet waren, entwickelte sich das Rennen gut fur den Erzrivalen Jaguar mit Stirling Moss am Steuer. Nachdem ungefahr ein Drittel des Rennens absolviert war, blies der Aston Martin von Parnell bei Ste. Devote seinen Motor. Die darauf folgende Kettenkollision schaltete eine grosse Anzahl von Wagen aus.

Schliesslich blieb der Aston Martin von Peter Collins ubrig (das Auto, das im Louwman Museum zu bewundern ist) und kam mit acht Runden Rueckstand auf den Sieger auf dem siebten Platz ins Ziel.
Die Ergebnisse, die die verschiedenen DB3 in England bei anderen Rennen erzielten, waren weniger erfolgreich. Die Wagen waren nicht besonders zuverlassig und wenn sie durchhielten, erwies sich die Konkurrenz als schneller.
1953 schien sich alles zu bessern. Eines der ersten grossen Rennen der Saison, die 12 Stunden von Sebring in Amerika, schien sehr gut zu verlaufen. Collins und Duke (der Motorradrennfahrer, der eine Karriere im Automobilrennsport anstrebte) fuhr das Feld an, bis letzterer von der Strecke abkam und ausfiel.
Ein Rennen, bei dem englische Teams gerne geglaenzt haetten, war die Mille Miglia. Obwohl die englischen Hersteller bei diesem Rennen nie wirklich erfolgreich gewesen sind, war dies fuer David Brown kein Hindernis, daran teilzunehmen. Er meldete 1953 nicht weniger als vier Wagen, einen DB2 und drei vom Typ DB3. Zwei dieser letzteren beendeten das Rennen, der erste auf einem guten fuenften Platz mit Parnell am Steuer. Der andere, gefahren von dem jungen Talent Peter Collins, kam fast eine Stunde spaeter als Siebzehnter ins Ziel. Dieses Auto, das im Louwman Museum zu sehen ist, nimmt jedes Jahr noch immer an der historischen Ausgabe der beruechtigten Mille Miglia teil.

Inzwischen war man bei Aston Martin zu dem Schluss gekommen, dass das Modell DB3 grundlegend verbessert werden musste; daraus entstand der DB3S. Dieses Modell war leichter als sein Vorgaenger und mit einem kraftigeren Motor ausgestattet, was neben einer hoehere Zuverlaessigkeit in spaeteren Jahren zu beachtlichen Ergebnissen fuehrte.
So wurde 1952 ein Projekt begonnen, das 1959 schliesslich zu dem von David Brown so heiss ersehnten Sieg in Le Mans fuehren sollte.
Peter Helbach