
London to Brighton Veteran Car Run 2013
31. Oktober 2013
Zwei Autos aus der Sammlung nehmen dieses Jahr an der London to Brighton Run teil
In England durften die ersten Fahrzeuge laut dem sogenannten Locomotive Act von 1878 innerhalb geschlossener Ortschaften hoechstens mit einer Geschwindigkeit von drei Kilometern pro Stunde fahren.
Draussen war sogar das Doppelte erlaubt! Ausserdem musste innerhalb der geschlossenen Ortschaft ein Mann mit einer roten Fahne vor dem Fahrzeug herlaufen, als Warnung vor der herannahenden „Monstergefahr“.

Im Jahr 1896 wurde dieses sogenannte Red Flag Act aufgehoben und durch den Locomotives on Highways Act die Hochstgeschwindigkeit auf 20 Kilometer pro Stunde erhoht. Um dies zu feiern, wurde in diesem Jahr eine Fahrt von London in den Kustenort Brighton organisiert. Diese Fahrt wurde Emancipation Run genannt. Der Gedanke dahinter war, dass mit der Aufhebung des alten Gesetzes das Auto emanzipiert worden war.
Die Emancipation Run wurde nach bester englischer Tradition ausgetragen; nach einem zweifellos kraeftigen Fruehstueck wurde die Red Flag feierlich zerrissen. Begleitet von einer Eskorte zahlreicher Radfahrer machten sich die 33 Teilnehmer auf den Weg nach Brighton, wo 17 von ihnen ankamen. Obwohl dies in den Annalen nicht erwaehnt wird, wurde der Sieger mit schiefen Blicken bedacht. Es handelte sich naemlich um einen Duryea, ein Auto amerikanischer Herstellung. Es war das allererste Mal, dass ein amerikanisches Auto in Europa fuhr, und sofort gab es einen Preis!
Seit 1927 findet diese sogenannte London to Brighton Run jaehrlich statt. Nur der Zweite Weltkrieg sorgte fuer eine kurze Unterbrechung. Das lag nicht an mangelndem Interesse, sondern daran, dass Benzin rationiert war! Seit 1947 wird die Run bis heute jedes Jahr ausgetragen. Die Teilnahme ist auf Autos beschraenkt, die vor 1905 gebaut wurden.
Aus einem sehr bescheidenen Anfang hat sich dieser Run zur grossten seiner Art entwickelt. Mehr als 500 Autos nehmen an dieser Veranstaltung teil. Die zuruckzulegende Strecke ist nicht allzu lang (87 km), aber die eigentliche Herausforderung ist der wellige Charakter der Strassen. Da in vielen Fallen nicht mehr als 10 PS zur Verfugung stehen und zwei oder mehr Personen an Bord sind, wird vom Fahrer ein grosses Einschatzungsvermogens erwartet. Er muss namlich in den Gefallstucken genugend Geschwindigkeit aufbauen, um die Steigungen bergauf sicher zu schaffen. Die Bremsleistung von Autos aus der Zeit vor 1905 ist sehr begrenzt und stellt einen zusaetzlichen Nachteil dar. Angesichts der Witterung Anfang November (hier und da ein Schauer, meistens hier) ist Anschieben durch die Beifahrer nicht erwuenscht.
Vor dem Hintergrund dieser Fahrt wurde 1953 eine romantische Filmkomodie mit dem Titel 'Genevieve' gedreht.

Hauptdarsteller waren zwei Autos, die zur festen Sammlung des Louwman Museums gehoren: ein Darracq von 1904, die Namensgeberin des Films, und ein gruner Spyker Double Phaeton, der zwar aus dem Jahr 1905 stammt, fur den Film aber kein Problem darstellte. Der Film 'Genevieve' gab dem Interesse an klassischen Autos einen enormen Schub.

In diesem Jahr findet die London to Brighton Run am Sonntag, den 3. November, statt. Die mehr als 500 Autos aus der Anfangszeit starten ab 07:02 Uhr einzeln aus dem Hyde Park im Zentrum von London. Einige Stunden spaeter treffen die ersten Autos in Brighton an der Suedkueste Englands ein.
Wie in den vergangenen Jahren nimmt auch diesmal wieder Genevieve aus dem Film teil. Auch der Napier Gordon Bennet Rennwagen von 1903 wird dabei sein. Mit den rund 100 PS stellt die Strecke selbst kein Problem dar, aber es ist vorgesehen, dass die Teilnehmer im Durchschnitt nicht schneller als 20 km/h fahren. Soweit bekannt, werden wahrend der Fahrt keine Blitzer eingesetzt.

Das Louwman Museum hat eine lange Geschichte der Teilnahme an der London to Brighton Run. Der Peugeot von 1895 traegt sogar noch die Startnummer "1", die damals dem aeltesten teilnehmenden Auto zugeteilt war. Auch mehrere Benz Automobile aus der Sammlung haben den Lauf mit ihrer Anwesenheit bereichert.