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Louwman Museum und Luftfahrt (Teil 2)

Louwman Museum und Luftfahrt (teil 2)

31. Oktober 2013

Im ersten Teil beschrieben wir die Flugzeuge im Louwman Museum. In diesem Artikel gehen wir auf weitere Zusammenhaenge zwischen Autos und der Luftfahrt ein.

Das traditionelle Symbol von Ferrari, Il Cavallino Rampante, das sich aufbaumende schwarze Pferd, ist allgemein bekannt, aber wie kam Enzo Ferrari dazu? Dafur mussen wir in den Ersten Weltkrieg zuruckgehen. Die Flugzeuge der Nationen, die an diesem sehr blutigen Konflikt teilnahmen, waren nicht nur mit den Erkennungszeichen ihres Herkunftslandes bemalt, sondern oft war auch zu erkennen, zu welcher Staffel ein Flugzeug gehorte. Manchmal versah der Pilot das Flugzeug mit bestimmten Symbolen.

Louwman Museum und Luftfahrt (teil 2)

Ahnlich war es bei einem Piloten der italienischen Luftwaffe, Francesco Baracca, der ein schwarzes steigendes Pferd auf einem gelben Schild auf den Rumpf seines Flugzeugs gemalt hatte. Dieser Baracca war einer der Helden der italienischen Luftwaffe und ein gefurchteter Gegner. Leider fiel Francesco Baracca im Krieg. Enzo Ferrari diente damals in der italienischen Armee, und das schwarze Pferd faszinierte ihn.

Enzo Ferrari wurde 1923 erneut mit dem sich aufbaemenden schwarzen Pferd konfrontiert, als in der Naehe von Ravenna ein Rennen auf dem Circuit von Savio stattfand. Enzo Ferrari war mit einem Alfa Romeo Werkswagen gemeldet. Am Renntag passte alles; Ferrari gewann aeusserst ueberzeugend und fuhr zudem die schnellste Runde. Die Begeisterung der Zuschauer war enorm. Am Ende des Rennens wurde er von einer Menschenmenge umringt, die ihm zujubelte. Unter den Leuten war der Vater des gefallenen Baracca. Dieser bot ihm an Ort und Stelle (!) das von seinem Sohn verwendete Symbol als Zeichen seiner Wertschaetzung fuer den Mut Ferraris waehrend des Rennens an. Der Rest ist Geschichte!

Ein weiterer Autohersteller, der enge Verbindungen sowohl zum Ersten Weltkrieg als auch zur Luftfahrt hat, ist Hispano-Suiza. Hispano-Suiza stellte namlich neben Autos auch hervorragende Flugmotoren her. Diese wurden in Flugzeugen franzosischer Herstellung verwendet, etwa in S.P.A.D.-Maschinen. Dieser Flugzeugtyp wurde vom bereits erwahnten Baracca geflogen, aber auch einige Elite-Staffeln der franzosischen Armee de l Air waren mit diesem Flugzeugtyp ausgerustet. Das Symbol, das eine dieser Staffeln kennzeichnete, war ein Storch Cigogne im vollen Flug. Sie wurden daher auch Les Cigognes genannt.

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Der bekannte franzosische Pilot George Guynemer, der bei dieser Einheit flog, zeichnete sich im Kampf aus und erhielt bereits im Alter von 21 Jahren die Auszeichnung Legion d´Honneur, die hochste franzosische Ehrung. Er fiel 1917, hatte bis dahin jedoch bereits 53 feindliche Flugzeuge abgeschossen.

Hispano-Suiza bat um die Erlaubnis, den Cigogne als charakteristisches Symbol auf den von ihr gebauten Automobilen zu fuhr en, und erhielt diese auch. Er ist nicht nur sehr ansprechend anzusehen, sondern ruft, besonders bei den Franzosen, starke nostalgische Gefuhle hervor. Auf dem Kuhlerdeckel des Hispano-Suiza H6B Million-Guiet Dual-Cowl Phaeton der beruhmten Filmschauspielerin Norma Talmadge prangt der Cigogne.

Auch die franzosischen Hersteller Voisin und Farman bauten sowohl Flugzeug- als auch Automotoren.

Louwman Museum und Luftfahrt (Teil 2)

Von der Automarke Voisin stehen im Louwman Museum zwei Exemplare. Die beiden Bruder Charles und Gabriel Voisin gehoren zu den franzosischen Luftfahrtpionieren. Bereits 1910 bauten sie ihre ersten Flugzeuge, die in verschiedenen Einsatzbereichen auch im Ersten Weltkrieg verwendet wurden. Der allererste Sieg in der Luft wurde im Oktober 1914 mit einer Maschine von Voisin errungen. Nach dem Krieg stellte Voisin die Produktion von Flugzeugen ein. Charles Voisin war namlich 1912 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen, und Gabriel widmete sich daraufhin der Herstellung von Autos.

Die Autos von Voisin sind heute bei Sammlern sehr begehrt, weil sie eine ganz eigene Handschrift haben. Der verchromte Streifen, der die Kotflugel mit dem Kuhler verbindet, und das geflugelte Symbol auf dem Deckel dieses Kuhlers sind zum Beispiel sehr typisch fur Voisin.

Die Bruder Maurice und Henri Farman waren Zeitgenossen von Voisin. Mehr noch, ihr erstes Flugzeug war eine Maschine von Voisin. Die Bruder Farman verbesserten dieses Flugzeug erheblich und begannen dann, unter ihrem eigenen Namen Flugzeuge zu bauen. Dabei handelte es sich vor allem um Flugzeuge mit Druckpropeller, die fur jene Zeit sehr gute Leistungen erbrachten. Wahrend des Ersten Weltkriegs produzierten sie nicht weniger als 300 Flugzeuge pro Monat.

Die Luftfahrt blieb auch nach dem Krieg ihre wichtigste Beschaftigung. Henri Farman richtete einen Liniendienst zwischen Paris und London ein. Dieser fand Anklang und bildete schliesslich die Grundlage fur die Entstehung von Air France. Maurice Farman sah Potenzial in der Autoindustrie und produzierte exklusive Autos bis 1936, als die Fabrik verstaatlicht wurde. Diese Autos sind heute selten und ebenso begehrt. Henri Farman wandte sich daraufhin seiner ersten Liebe zu, der Malerei. Die Bruder Henri und Maurice starben 1958 beziehungsweise 1964.

Peter Helbach