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NASCAR: Autorennen auf amerikanische Art

NASCAR: Autorennen auf amerikanische Art

4. Mai 2015

Es gibt zahlreiche unterschiedliche Formen des Motorsports, von denen mehrere im Louwman Museum zu bewundern sind.

Kuerzlich wurde eine Toyota Camry, die in der sogenannten "Sprint Cup", der wichtigsten Klasse der NASCAR Meisterschaft, mitgefahren ist, zur Sammlung hinzugefuegt. Auf dem folgenden Foto ist der 2013 Toyota Camry Nascar in Aktion beim Goodwood Festival of Speed 2014 zu sehen.

NASCAR: Autorennen auf amerikanische Art

NASCAR, ausgeschrieben North American Stock Car Auto Racing, ist ein ausserst beliebter Teil des amerikanischen Motorsports. Auf den ersten Blick sehen die teilnehmenden Autos serienmassig aus, doch der Schein trugt. Ein Stuck amerikanischer Motorsportgeschichte in einer Nussschale

Entstehung

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in den sudlichen Bundesstaaten der USA Rennen mit Autos ausgetragen, die von den Fahrern illegal gebrannter Alkoholika (den sogenannten Moonshiners) genutzt wurden, um ihr illegales Produkt zu den Abnehmern zu bringen. Die beiden wichtigsten Anforderungen an solche Fahrzeuge waren, dass sie moglichst normal (stock) aussahen und schneller waren als die Polizeiwagen. Ein Beispiel fur ein solches Auto ist im Louwman Museum zu sehen, der Hudson Commodore 8 aus dem Jahr 1948. Eine etwas kleinere Ausfuhrung dieses Modells, der Hornet, erwies sich in leicht getunter Ausfuhrung als eines der schnellsten Autos jener Zeit.

Organisierte Rennen entstanden schon bald, auch unter dem Einfluss eines der Grundungsmitglieder aus der Geschichte von NASCAR, Bill France Sr. France hatte bereits in einer fruhen Phase die Organisation von Rennen und den Bau von Rennstrecken ubernommen. Dadurch wurde es nicht nur fur Fahrer attraktiv teilzunehmen, sondern auch den Zuschauern wurde ein spannendes Spektakel geboten.

NASCAR: Autorennen auf amerikanische Art

Der Hohepunkt der Saison in jenen Anfangsjahren war das Rennen am Strand von Daytona Beach in Florida.

Die Rennen

Der groesste Teil der Rennen wurde auf sogenannten Ovals mit unterschiedlicher Laenge ausgetragen, die vor allem in der Anfangszeit teilweise noch unbefestigt waren. Durch die Form der Strecke haben die Zuschauer eine gute Sicht darauf, was sich waehrend des Rennens abspielt. Die NASCAR-Organisation machte die Teilnahme an der Meisterschaft finanziell attraktiv, sodass sich schon bald Fahrer aus anderen Teilen Amerikas dieser Sparte des Motorsports anschlossen. Es gab nur wenige sogenannte Strassenkurse in Amerika, und nur einzelne, wie Riverside in Kalifornien, wurden anfangs fuer NASCAR-Rennen genutzt.

Ein Aspekt, der NASCAR von beispielsweise einem Formel 1 Rennen unterscheidet, ist die stark schwankende Renndistanz. Die Rennen reichen von 250 bis 600 Meilen (400 bis 960 km). Auch die Anzahl der Runden ist unterschiedlich. Um ein Beispiel zu geben: Auf einer der kurzesten Strecken, Bristol, faehrt man 500 Runden ueber 0,5 Meilen (250 Meilen/400 km). Auf dem Talladega Motor Speedway, einer der langsten und schnellsten Strecken, faehrt man „nur“ 188 Runden ueber 2,6 Meilen (500 Meilen/800 km). Diese Distanzen werden im Uebrigen vorschriftsgemaess von einem einzigen Fahrer zurueckgelegt.

Die teilnehmenden Autos

Die wachsende Popularitat von NASCAR blieb auch den Herstellern in Detroit nicht verborgen. Einige Hersteller unterstutzten in den funfziger und sechziger Jahren, teils offen, teils heimlich, Teams und Fahrer. Dies blieb jedoch vom Umfang her begrenzt. Die grossen Drei, Ford, General Motors und Chrysler, wurden jedoch zunehmend in NASCAR involviert. In den siebziger Jahren nahm dies wirklich ernsthafte Formen an: die sogenannten Muscle Cars betraten die Buhne. Dies waren sogenannte Homologations-Specials, modifizierte Serienmodelle, die in begrenzter Stuckzahl gebaut wurden. Die Modelle, die bei NASCAR eingesetzt wurden, mussten namlich ganz normal bei den Handlern kauflich zu erwerben sein. So wurden die gestellten Anforderungen erfullt und sie konnten als Serien- (Stock-) Modell eingesetzt werden. Die Wagen waren meist mit 7-Liter-V8-Motoren mit mehr als 400 PS Leistung ausgestattet. Ausserdem verfugten sie uber etwas stromlinienformigere Karosserien, wie der Plymouth Roadrunner aus dem Louwman Museum. Solche Autos erreichten auf den Superspeedways (ultraschnellen Ovalkursen) von Charlotte und Talladega Geschwindigkeiten von mehr als 320 km/h. Diese Specials wurden jedoch schon bald verboten, und man kehrte zu den ublicheren Typen von Rennwagen zuruck. Die Olkrise sorgte zudem dafur, dass das Publikum diese Autos auch nicht mehr kaufte.

Anfangs nahmen die verschiedenen Marken von General Motors und dem Chrysler Konzern an den Rennen teil. Aber schliesslich waren es Ford und Chevrolet, die gemeinsam den Ton angaben. Es dauerte sehr lange, bis andere, nicht amerikanische Hersteller auf der Bildflaeche erschienen. Nach einem anfaenglich vorsichtigen Einstieg ist Toyota inzwischen zu einem aeusserst ernstzunehmenden Konkurrenten fuer Ford und Chevrolet geworden.

Regeln

Ein anderer Wettstreit, der sich nicht auf den Rennstrecken, sondern am grünen Tisch abspielt, ist die Reglementierung von NASCAR. Das „flexible“ Anwenden der Regeln durch die Teilnehmer war in der Anfangszeit eine Selbstverständlichkeit. Subtile Änderungen an der Form der Karosserie und andere Tricksereien wurden im Lauf der Jahre durch strenge Vorschriften unterbunden. So werden Passstücke, sogenannte Templates, verwendet, um zu prüfen, ob die Karosserie des Wagens tatsächlich den Werksvorgaben entspricht. Die Motorleistung wird ebenso durch Einschränkungen wie Hubraum und gedrosselte Luftzufuhr im Zaum gehalten. Dies geschieht durch sogenannte Restrictor Plates, die zwischen Vergaser und Ansaugkrummer montiert sind und mit Öffnungen eines vorgeschriebenen Durchmessers versehen sind.

NASCAR: Autorennen auf amerikanische Art

Die Sicherheitsanforderungen fur die Autos sind sehr streng. Unter der standardmassig aussehenden Karosserie befindet sich ein Rohrrahmen, der als Sicherheitskafig dient. Dass die Fahrer in sehr vielen Fallen unverletzt aus ihrem Auto (oder dem, was davon ubrig ist) aussteigen, zeigt die Wirksamkeit dieser Konstruktion.

Die gelbe Flagge (Gefahr, nicht ueberholen) wird waehrend der Rennen sehr regelmaessig eingesetzt. Nicht nur bei Unfaellen, sondern auch bei scheinbaren Kleinigkeiten. Schnell geht das in das ueber, was als `full course yellow` bezeichnet wird. Dadurch wird das Rennen neutralisiert und die Fahrer koennen an die Box kommen. Boese Zungen behaupten, dass dies manchmal von der Rennleitung getan wird, um das Rennen spannender zu machen. Die Teamchefs haben also alle Haende voll zu tun, um sich ein gutes Bild vom Rennverlauf zu machen. Sie werden von sogenannten Spottern unterstuetzt, die `irgendwo` hoch auf einer Tribuene sitzen, einen kompletten Ueberblick ueber die Strecke haben und zum Beispiel melden koennen, ob weiter vorne ein Unfall passiert ist und so den Fahrer warnen koennen. Man kann davon halten, was man will, aber Vorbeugen ist immer noch besser als Heilen!

Die allgemeinen NASCAR Regeln sind streng. Nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch in anderen Bereichen. So sind die Positionen der Sponsorenaufdrucke klar festgelegt. Die Startnummern sind Eigentum von NASCAR und werden an die Rennstalle vergeben. Die Nummern muessen sehr gut sichtbar auf den (zugeschweissten) Tueren und auf dem Dach angebracht sein. Insgesamt gibt es 110 Startnummern: 1 bis 100 und 01 bis 09.

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Die bekanntesten Startnummern sind 43 und 3 (von den Familien Petty bzw. Earnhardt). Die Nummer 61 wird nicht mehr vergeben, zum Gedenken an den neunfachen Meister Richie Evans, der 1995 bei einem Rennunfall ums Leben kam.

Die fahrer

Der Geburtsort dieser Sportart, die sudlichen Bundesstaaten Amerikas, hat dafur gesorgt, dass man eine eigene Kultur hatte und im Grunde immer noch hat. Im Laufe der Jahre wurden die Teilnehmer als The Good Old Boys bezeichnet, ein Kosename, der die Wirklichkeit verschleiert. Die meisten Teams sind in den sudlichen Bundesstaaten Amerikas ansassig, wie North und South Carolina und Alabama.

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Die Rennen selbst waren und sind ereignisreich, denn man faehrt mit dem Messer zwischen den Zaehnen. Blechschaden oder Schlimmeres ist eher die Regel als die Ausnahme. Es passierte immer irgendetwas, worauf das Publikum nur allzu gern haendereibend zusteuert.

Die Fahrer selbst sind nicht mit einem Formel 1 Fahrer zu vergleichen. Das Durchschnittsalter liegt hoher, besonders im vergangenen Jahrhundert, als viele Teilnehmer deutlich uber dreißig waren. Einer der großten Namen aus der NASCAR, Richard Petty, war bereits in den Vierzigern, als er seinen 200. Sieg (!) errang (ein Rekord). Die ganze Familie Petty ist ubrigens in NASCAR Kreisen und weit daruber hinaus beruhmt. Lee, der Vater von Richard, war in den funfziger Jahren einer der ersten Meister. Richards Sohn Kyle und Enkel Adam (der im Jahr 2000 leider bei einem Rennen toedlich verungluckte) sind ebenfalls bekannte Namen.

Es wirkt fast so, als ware NASCAR eine eigene Welt innerhalb des Motorsports. NASCAR-Fahrer nehmen nur selten an anderen Disziplinen des Motorsports teil. Fahrer aus der Indycar-Serie wollten und wollen hin und wieder einen Stock Car fahren, aber Erfolg ist dabei keineswegs garantiert. Ausnahmen sind A.J. Foyt und Mario Andretti. Ein weiterer ist Juan-Pablo Montoya, ehemaliger F1-Weltmeister.

NASCAR ist in Amerika ausserst beliebt. Zuschauerzahlen von mehr als 100000 an einem Rennwochenende sind dort keineswegs eine Ausnahme.

In einer nachsten Folge werden wir naher auf die jungere Vergangenheit von NASCAR eingehen und dabei den bereits erwahnten Toyota Camry, der im ersten Stock des Louwman Museums zu sehen ist, genauer betrachten.

Peter Helbach