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Porsche in der Formel 1

Porsche in der Formel 1

10. Juli 2016

In der Rennabteilung des Louwman Museums sind drei Formel-1-Rennwagen zu bewundern: der experimentelle March-Sechsradwagen, der Toyota TF109 und der Porsche 718 des niederlandischen Gentleman-Racers Jonkheer Carel Godin de Beaufort. In diesem Artikel erfahren Sie mehr uber diesen Porsche.

Die Produktion von Automobilen der Marke Porsche begann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, zunachst im osterreichischen Gmund und spater im deutschen Stuttgart, wo das Unternehmen noch immer ansassig ist. Die deutsche Autoindustrie stand nach 1945 unter der Aufsicht der Alliierten und durfte anfangs nur Autos mit einem maximalen Hubraum von 1500 ccm herstellen. Porsche brachte einen Sportwagen auf den Markt, ausgestattet mit einem Antrieb, der auf dem 1100 ccm Volkswagen Boxermotor basierte. Trotz des kleinen Hubraums lieferte der Wagen dank seines geringen Gewichts beachtliche Leistungen. Die Teilnahme an Rennen in Deutschland (Auslandsstarts waren noch nicht erlaubt) brachte vielversprechende Klassensiege ein, wodurch der Name Porsche in die Offentlichkeit gelangte. Anfang der funfziger Jahre nahm man mit franzosischen Fahrern erstmals am 24 Stunden Rennen von Le Mans teil, und das mit Erfolg.

Anschliessend wurden die Motoren grosser (bis 1500 ccm) und fortschrittlicher als die ursprunglichen Antriebe. Die Luftkuhlung blieb jedoch ein Merkmal. In dieser Zeit entstand der Vierzylinder-Boxermotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen. Dieser sollte eine wichtige Rolle in der Geschichte der Marke Porsche spielen.

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Porsche 550 Spyder wahrend eines Rennens

Der Porsche 550 Spyder wahrend eines Rennens[/caption]

Dieser Motor trieb unter anderem den Typ 550A Spyder an, einen reinen Rennwagen, mit dem Porsche international den Durchbruch schaffte, vor allem bei Langstreckenrennen. Eines davon war die Carrera Panamericana, das beruchtigte Rennen in Mexiko, bei dem Porsche einen uberragenden Klassensieg errang. Dieser Erfolg fuhrte zur Ergaenzung Carrera fur die besonders exklusiven Porsche Modelle. Der 550A und sein Nachfolger, der RSK, waren kompakte Zweisitzer, die trotz ihres relativ kleinen Motors oft starkere Konkurrenten zu schlagen wussten.

Das Modell RSK, dessen Motor (immer noch 1500 ccm) inzwischen fast 150 PS leistete, konnte auch bei Formel 2 Rennen eingesetzt werden, die manchmal als Rahmenprogramm oder gemeinsam mit der Formel 1 (Grands Prix) ausgetragen wurden. Fuer die F1 galt ein maximales Hubraumlimit von 2500 ccm, aber die Porsche schienen besonders gut fuer die Formel 2 geeignet zu sein, fuer die maximal 1500 ccm zulaessig waren.

Obwohl die Formel 2 Autos manchmal mitten zwischen den Formel 1 Autos starteten, fuhren sie dennoch ihr eigenes Rennen. Dies galt auch fur den Niederlander Carel Godin de Beaufort, der 1958 mit seinem RSK am Grossen Preis der Niederlande auf dem Circuit Zandvoort teilnahm und dort Elfter wurde.

Im selben Jahr gab es ein eigenes Rennen fur Formel 2 Wagen auf der ultraschnellen Rennstrecke von Reims. Dort erzielte der eigenwillige franzosische Fahrer Jean Behra den ersten Sieg fur Porsche in der Formel 2. Er hatte seinen (von Werk eingeschriebenen) Porsche zu einem Einsitzer umgebaut, also mit einem zentral angeordneten Sitz.

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Porsche 718 Behra

Der Porsche 718 von Behra.[/caption]

Porsche beschloss daraufhin als Hersteller, einen einsitzigen Rennwagen mit offenen Raedern zu bauen, der auf allen Rennstrecken gut zurechtkam. Der Formel 2 Wagen vom Typ 718/2 war geboren.

Das Debut dieses Porsche fand Anfang 1959 auf der Rennstrecke von Monaco statt, mit Werksfahrer von Trips am Steuer, doch leider beendete ein Unfall dieses Debut. Jean Behra hatte seinen Einsitzer zu einem normalen Monoposto weiterentwickelt und erzielte als Privatfahrer manchmal bessere Ergebnisse als das Werk.

Im folgenden Jahr 1959 wurde der 718/2 nur begrenzt eingesetzt. Der Schwede Jo Bonnier wurde in Reims Dritter, allerdings hinter dem Behra Porsche.

Die Ankundigung einer "neuen" Formel 1 fur 1961 und die darauffolgenden Jahre bot Perspektiven, denn der maximale Hubraum wurde auf 1500 ccm festgelegt! Porsche konnte sich also, quasi durch die Hintertur, in der prestigetrachtigen Formel 1 etablieren. Im Jahr 1960 gab es daher einen intensiven Einsatz des Modells 718/2 in den Formel-2-Rennen, damit eventuelle Kinderkrankheiten des Wagens ausgemerzt werden konnten. Insgesamt baute Porsche funf Fahrzeuge des Typs 718/2, die vor allem werkseitig mit Fahrern wie Wolfgang von Trips, Hans Hermann, Edgar Barth, Joakim Bonnier und dem Amerikaner Dan Gurney eingesetzt wurden. Bei grossen Rennen in Deutschland wurden sogar Graham Hill und John Surtees verpflichtet.

Das Modell war erfolgreich, sogar so sehr, dass auch Stirling Moss damit fuhr. In den Farben des Rob Walker Racing Team (dunkelblau mit einem weissen Nasenband) erzielte Moss mit dem Wagen Erfolge in der Formel 2.

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Stirling Moss im Porsche 718

Stirling Moss im Porsche 718[/caption]

In der Rennsaison 1961 hatte sich der Porsche als zuverlassiges Auto erwiesen. Allerdings hatte der italienische Hersteller Ferrari inzwischen die sogenannte Shark Nose entwickelt. Angetrieben von einem sechszylindrigen V6 Motor mit mehr Leistung als der Porsche war dieses Auto uberlegen.

Die Teilnahme an der Formel 1 erwies sich doch als schwieriger als an der Formel 2. Fur die Saison 1962 wurde ein neues Auto mit einem achtzylinder Boxermotor (noch immer luftgekuhlt) entwickelt, mit dem man dann erfolgreich war. Dieses Auto war der Typ 804. Der Sieg von Dan Gurney beim Grossen Preis von Frankreich auf der Rennstrecke von Rouen war der Hohepunkt der Saison.

Der Niederlander Carel Godin de Beaufort hatte inzwischen von Porsche den 718/2 gekauft, in dem Stirling Moss gefahren war, und als volliger Privatfahrer bestritt er Grands Prix und andere Formel 1 Rennen. Bei passenden Gelegenheiten wurde sogar ein zweites Auto eingesetzt, das unter `Ecurie Maarsbergen’ gemeldet wurde. In dieses Auto setzte man vielversprechende, aber zahlende Fahrer, sodass der Einsatz des Wagens mindestens kostenneutral war. Der bekannteste von ihnen war Gerhard Mitter, der spater Werksfahrer bei Porsche werden sollte.

Schon nach einem Jahr zog sich Porsche aus der Formel 1 zuruck. Die aufstrebenden englischen Konstrukteure wie Lotus und BRM, angetrieben von den sehr kraftvollen Coventry Climax Motoren, sowie erneut Ferrari sorgten dafur, dass eine Teilnahme an der Konigsklasse nicht mehr interessant war. Porsche kehrte zu dem Bereich des Motorsports zuruck, in dem sie wirklich stark waren, namlich den Langstreckenrennen. Es lag an einigen Privatfahrern wie Godin de Beaufort, die Ehre von Porsche mit einem im Grunde veralteten Modell hochzuhalten.

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Carel Godin de Beaufort in Aktion im Porsche 718/2

Carel Godin de Beaufort in Aktion im Porsche 718/2[/caption]

Unser Landsmann konnte 1963 und im folgenden Jahr mit dem 718/2 einige Punkte fur die Weltmeisterschaft holen. Das war an sich bereits eine besondere Leistung. Wahrend des Qualifyings zum Grossen Preis von Deutschland 1964 auf dem Nurburgring verunfallt Carel Godin de Beaufort mit seinem Porsche und stirbt zwei Tage spater an seinen Verletzungen, nur 30 Jahre alt.

Bis zum heutigen Tag hat Porsche nie wieder ein komplettes F1 Auto gebaut, aber in spaeteren Jahren dennoch Motoren fuer die Formel 1 entwickelt.