
Tauche ein in die Geschichte von Gordon-Crosby
10. Juli 2013
Das Louwman Museum zeigt eine grosse Vielfalt an Kunstobjekten, darunter zahlreiche Werke von Frederick Gordon-Crosby (1885-1943), dem beruhmten Illustrator der englischen Zeitschrift The Autocar.
Frederick Gordon-Crosby wurde von Automobilherstellern beauftragt, technische Entwurfe auszuarbeiten. Er hatte eine grosse Vorliebe fur Automobile und konnte zudem schnell Zeichnungen anfertigen. An Kunstakademien war Technik nicht das beliebteste Thema, und so hob er sich auf diese Weise ab. Auf diese Art kam er schliesslich zu The Autocar.

In manchen Fallen waren Illustrationen fur Autozeitschriften ansprechender als Fotos, weil (technische) Zeichnungen oft mehr zeigen konnten als Fotos. Ausserdem konnte der Zeichner in seinen Abbildungen manchmal Dinge andeuten, die es in Wirklichkeit nicht gab. Kurz gesagt, auf diese Weise konnte die Fantasie des Betrachters angeregt werden.
Dies traf besonders auf sportliche Veranstaltungen wie Rennen und Rallyes zu. Gordon-Crosby hatte sich mit einigen Starreportern von Autocar wie S.C.H. Davis (Sieger der 24 Stunden von Le Mans) und W.F. Bradley angefreundet. Er reiste mit ihnen zu Veranstaltungen in Europa, ueber die The Autocar berichtete.
Seine eigene Vorliebe in Bezug auf Autos galt den grossen Monstern aus den Anfangstagen des Grand Prix. Ein weiteres Thema waren Flugzeuge. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts waren es gerade diese Themen, die die Vorstellungskraft des Publikums besonders anregten und sich in hohem Masse fur einen kunstlerischen und romantischen Ausdruck eigneten.
Die Gemaelde und Zeichnungen von Gordon-Crosby, auf denen Renn- oder Sportwagen zu sehen sind, sind am bekanntesten und im Louwman Museum in grosser Zahl ausgestellt. Wenn man seine Gemaelde betrachtet, hat man das Gefuehl, als wuerde man neben dem Kunstler stehen, waehrend er seine ersten Skizzen anfertigt. In Wirklichkeit haette man wahrscheinlich nie zu sehen bekommen, was spaeter als Illustration zu einem Rennbericht erscheinen wuerde.
Nehmen wir ein Beispiel, in diesem Fall den Grossen Preis von Frankreich im Jahr 1906. Das Gemaelde, das sich in der Kunstabteilung des Louwman Museums befindet, zeigt den roten Wagen des spaeteren Siegers Ferenc Szisz, einen Renault, in hartem Duell mit dem De Dietrich von Duray.

Steinschlag fliegt dem Zuschauer sprichwortlich um die Ohren! Die Wahrheit sah jedoch anders aus. Dieses romantisierte Bild existiert nur im Kopf des Kunstlers. Der Sieger hatte in Wirklichkeit einen Vorsprung von 32 Minuten auf den Zweitplatzierten!
Das Obige gilt nicht nur fur diese Illustration, sondern auch fur mehrere Abbildungen. Der schreibende Journalist musste naturlich den Eindruck erwecken, dass es ein spannendes Rennen gewesen war, und dies musste durch eine Illustration unterstutzt werden. Wenn ein Bild des echten Rennens gemacht worden ware, hatte es niemals die Aufmerksamkeit erhalten, die durch die fantastische Abbildung von Gordon-Crosby hervorgerufen wird.
Naturlich gibt es auch Werke von Gordon-Crosby, die durchaus die mitunter harte Realitat wiedergeben: Szenen aus Autofabriken, in denen die Arbeitsbedingungen erbarmlich waren, liebliche Landschaften, selbstverstandlich bereichert mit Darstellungen eines oder mehrerer Autos, lassen sich in ihrer Qualitat leicht mit den Werken sogenannter grosser Meister vergleichen.
Er hatte auch eine humorvolle Seite; so hangt im Louwman Museum eine Reihe von Karikaturen von vor allem in England bekannten Rennfahrern. Viele von ihnen haben sich auf der Rennstrecke von Brooklands einen Namen gemacht und sind im uebrigen Europa weniger bekannt.

Auf diesen Abbildungen sieht man unter anderem Hindmarsh und Fontes, die im siegreichen Wagen des 24-Stunden-Rennens von Le Mans im Jahr 1935 sitzen. Dieses Auto ist auch im Museum zu sehen.
Ein anderes kunstlerisches Werk von Gordon-Crosby diente als Vorlage fur die Jaguar-Maskotte. Der nach vorn springende Jaguar (Gepard) ist bis heute auf den Autos von Jaguar zu sehen.
In den dreissiger Jahren wurden die Werke von Gordon-Crosby dunkler und impressionistischer im Charakter (wie das Gemaelde des Grossen Preises von Monaco 1937).
Im Jahr 1943 erlitt die Familie einen schweren Schlag, als ihr juengster Sohn in einem Luftkampf ums Leben kam. Gordon-Crosby konnte diesen Verlust nicht verkraften und nahm sich in diesem Jahr das Leben. Er wurde nur 58 Jahre alt.
Peter Helbach