
Das Auto und seine Designer
2. September 2015
Die allerersten Karosserieentwurfe fur das Automobil waren meist von der Pferdekutsche abgeleitet. Dieses Design war jedoch nicht geeignet, um Motor und Antrieb unterzubringen.
Daher begann man schon bald damit, ein fahrbares Fahrgestell mit Motor und eine dazu passende Karosserie zu entwerfen. So wandelte sich das Design der motorisierten Pferdekutsche nach und nach zu dem des Automobils, wie wir es heute kennen.
Dieser Artikel gibt einen kurzen Uberblick uber die Entwicklungen im Karosseriedesign von Personenkraftwagen im Verlauf des 20. Jahrhunderts. Er wirft einen Blick auf die Stroemungen im Automobildesign und auf die Designer, die diese hervorgebracht haben. Aufgrund der Knappheit ist dieser Artikel nicht vollstandig, er stellt nur eine Auswahl aus den vielen vorhandenen Beispielen dar. Ausserdem geht es hier vor allem um das Aussendesign, den Teil, der in uns Emotionen auslost. Schliesslich hat ein attraktives, aber wenig leistungsstarkes Auto immer mehr Anhaenger als ein Auto, das sich traumhaft fahren lasst, aber weniger gut aussieht.
Die ersten Entwurfe
Das Konzept der Karosserie fur das Automobil wurde ab Ende des 19. Jahrhunderts haufig von der Karosserie der Pferdekutsche abgeleitet. Die Karosserie bestand aus einem Holzrahmen, oft aus Esche, auf den Holzpaneele aufgebracht waren. Es gab auch Entwurfe, die kaum eine Karosserie hatten. Es waren offene Fahrzeuge mit 3 oder 4 Radern und einem Metall- oder Holzrahmen, auf dem Motor und Sitzplatze montiert waren. Die geringe Motorleistung der ersten Automobile machte es zudem unmoglich, grosse und damit schwere Karosserien zu verwenden. Beispiele hierfur sind der Benz Motorwagen von 1886 (Deutschland), der De Dion Bouton 3.5HP von 1899 (Frankreich) und der Oldsmobile Curved Dash von 1897 (USA). Die ersten beiden sind im Louwman Museum zu besichtigen.
Ab 1910 begannen die Hersteller meist, ein Stahlchassis zu verwenden, auf dem die Karosserie montiert wurde. Durch den Einsatz verschiedener Karosserien auf demselben Chassis wurde ein hoher Grad an Flexibilitat in der Produktion erreicht. So konnte der Verbraucher zum Beispiel zwischen einem 2-Turer, einem 4-Turer oder einem Pickup-Modell auf Basis eines Standardchassis wahlen. Ein anschauliches Beispiel hierfur ist das Ford Model T (1908-1927).
Daruber hinaus gab es auch Kunden, die bei einem Hersteller ein komplettes fahrbereites Fahrgestell mit Motor kauften, um anschliessend von einem geeigneten Karosseriebauer die Karosserie nach eigenen Vorstellungen anfertigen zu lassen. Sozusagen custom made. Diese Karosseriebauer waren im Grunde die ersten Autodesigner. Fur ihr Karosseriedesign waren sie jedoch vom gelieferten Fahrgestell und Motorkonzept abhangig. Das Karosseriedesign hatte dann oft die feste, charakteristische Anordnung von Kuhler (mit Markenlogo und Maskottchen), (langer) Motorhaube, Passagierraum und Gepackraum.
In den dreissiger Jahren veranderte sich dies nach und nach. Man begann, Karosserie und Fahrgestell als eine Einheit aus Blech zu bauen, die sogenannte Monocoque-Konstruktion oder selbsttragende Karosserie, wie wir sie auch heute kennen. Dies war konstruktiv einfacher, leichter und effizienter und fuer die Insassen sicherer. Die Folge war, dass die Hersteller die Autos selbst zu entwerfen begannen oder ein (renommierter) Designer engagiert wurde. Vincenzo Lancia, Hersteller, Ingenieur und Designer, baute 1923 mit dem Lancia Lambda (siehe Foto) das weltweit erste Monocoque-Personenauto. Vincenzo Lancia war sowohl als Ingenieur als auch als Designer talentiert, eine ideale Kombination.

Spaeter folgten auch andere mit der Monocoque-Konstruktion, wie der Citroen Traction Avant (1934-1957), der diese Bauweise populaer gemacht hat.
Die Entwicklungen in den verschiedenen Landern
Frankreich
In Europa gab es im Gegensatz zu den USA eine grosse Vielfalt an Entwurfen, was mit den jeweiligen Kulturen der verschiedenen Lander zu tun hatte. Besonders bemerkenswerte Entwurfe in Frankreich stammten unter anderem von Gabriel Voisin, der ursprunglich Luftfahrtpionier war. Gemeinsam mit Andre Christina entwarf er den Voisin C27 Aerosport von 1934, ein beeindruckendes und zugleich elegantes Auto mit Aluminiumkarosserie auf einem Stahlchassis. Das imposante Design mit der langen Motorhaube, den funfeckigen Fenstern in den Turen und dem grossen Schiebedach machte ihn zu einem der herausragendsten Automobile, das als fahrendes Kunstwerk bezeichnet werden kann (siehe Foto).

Von aehnlichem Rang war auch die Marke Bugatti, beispielhaft die Bugatti 50T Coach Profilee von 1932, entworfen von Jean Bugatti, dem damals 23 jaehrigen Sohn von Ettore Bugatti.
Ein weiteres Beispiel fur eine Marke mit besonderen Entwurfen aus der Vorkriegszeit war Talbot-Lago. Antonio Lago, der Grunders des Unternehmens, hatte sich zum Ziel gesetzt, eine Reihe sehr exklusiver Sportwagen zu bauen. Eines der Spitzenmodelle war das Talbot-Lago T150 SS Coupe von 1937, bei dem er die Karosserie vom Designhaus Figoni et Falaschi entwerfen liess. Der Wagen, mit dem Spitznamen goutte d eau (Wassertropfen), fallt durch sein Design auf: aerodynamische Kotflugel, eine extrem schrag stehende Frontscheibe sowie in die Karosserie eingelassene Scheinwerfer, Turgriffe und Blinker (siehe Foto). Das Auto gilt allgemein als Meisterwerk der Karosseriedesigner Giuseppe Figoni und Ovidio Falaschi und zahlt zur absoluten Spitze im Automobildesign. Nach dem Krieg musste das Unternehmen aufgrund der geringen Nachfrage nach Spezialkarosserien und des Vormarschs der selbsttragenden Karosserie seine Pforten schliessen. Der Talbot-Lago T150 SS Coupe ist im Louwman Museum zu bewundern.

Andere beruhmte Designer aus derselben Zeit waren Henri Chapron (fur Delage und Talbot-Lago), Jaques Saoutchik (fur Delahaye und Talbot-Lago) und Marcel Pourtout (fur Delage, Peugeot und Delahaye). Auch diese Designer mussten ihre Tatigkeit nach dem Krieg einstellen, bedingt durch den Wiederaufbau und die geringe Nachfrage nach extravaganten und damit kostspieligen Autos.
In der Nachkriegszeit war es vor allem Citroen, das einige elegante Automobile lieferte, deren Karosserie von Chefdesigner Flaminio Bertoni entworfen wurde, der ursprunglich Bildhauer und Architekt war. Aus seiner Hand stammten unter anderem der Citroen Traction Avant (1934-1957) und der hier abgebildete Citroen DS (1955-1975). Die innovative Technik dieser Modelle stammte von dem Techniker Andre Lefebvre, etwa der Frontantrieb, die unabhangige Radaufhangung und die hydraulischen Bremsen beim Traction Avant sowie die Scheibenbremsen und das hydropneumatische Fahrwerk beim DS.

England
Auf dem Gebiet der Sportwagen war England in der Vorkriegszeit, aber auch danach, fuhrend. Ein schoenes Beispiel fuer einen typisch englischen Sportwagen aus der Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg ist die MG Midget T Serie (1936-1955). Das Modell wurde von Cecil Kimber entworfen, einem Ingenieur und Designer, den William Morris beauftragt hatte, einen relativ guenstigen Sportwagen zu entwickeln. Das Auto mit seinem stilvollen Kuhler, der langen geraden Motorhaube, der umklappbaren Frontscheibe und den Trittbrettern wurde ein grosser Erfolg, auch in den USA (siehe Foto). Mit dem Aufkommen stromlinienfoermigerer Autos in den funfziger Jahren wurde die Produktion der klassisch gebauten MG T Serie 1955 eingestellt und der aerodynamischere MG A auf den Markt gebracht (1955-1962).

Weitere Beispiele fur britische, beliebte und elegant gestaltete Sportwagen sind die Triumph TR2- und TR3-Modelle (1953-1962), der Austin Healey 3000 (1959-1967) und naturlich der Jaguar E-Type (1961-1975).
Bis in die spaeten Sechzigerjahre war England Europas fuehrender Automobilhersteller. Die britische Autoindustrie lieferte in allen Segmenten eine enorme Vielfalt an Fahrzeugtypen. Ausserdem hatten die Briten aufgrund ihrer isolierten Lage gegenueber dem Kontinent ihre eigene Designentwicklung und einen eigenen homogenen Markt. Einige aeusserst elegante Wagen wurden von Sir William Lyons entworfen, darunter der Jaguar XK120 und der Jaguar Mark 2 (siehe Foto), und auch von Malcolm Sayer, darunter der bereits erwaehnte Jaguar E-Type.

Ebenfalls ein beruhmter Designer in England war Alec Issigonis, der fur das Design des Mini verantwortlich war, einer britischen Ikone der sechziger Jahre. Aufgrund der Suezkrise von 1956 und der begrenzten Olieferungen beschloss die British Motor Corporation 1959, ein gunstiges, ausserst kompaktes und leichtes Fahrzeug zu entwickeln. Um dies zu verwirklichen, wurde ein vorhandener Motor quer vorne eingebaut, gummierte kegelformige Blo cke wurden anstelle herko mmlicher Blatt- oder Schraubenfedern als Federung eingesetzt, und die Tu rverkleidungen waren einwandig und mit Schiebefenstern ausgestattet, um den Innenraum in der Breite maximal auszunutzen. Das Modell wurde unter anderem als Austin Mini und Morris Mini verkauft und blieb 41 Jahre lang in Produktion. Insgesamt wurden 5,3 Millionen Exemplare hergestellt.
Deutschland
Mit dem Bauhaus als Kunstakademie (1919-1933) gilt Deutschland oft als die Geburtsstatte des Industriedesigns. Als Beispiel dafur steht sicher auch BMW in Munchen, gegrundet 1916, wo man nach Flugmotoren und Motorradern 1928 mit der Produktion von Autos begann. Nach dem in Lizenz gebauten Dixi (Austin Seven) ging man zu echten BMWs uber, darunter dem BMW 328 (1936-1940). Damit bestaetigte BMW seine Berufung, sich ausschliesslich auf den Bau technisch hochwertiger und sportlicher Automobile zu konzentrieren. Der BMW 328 (siehe Foto) ist ein exklusiver Roadster, entworfen von Peter Szymanowski und technisch ausgearbeitet von Fritz Fiedler. Das Modell gewann zahlreiche Rennen, darunter die Mille Miglia 1940. Insgesamt wurden 464 Exemplare des BMW 328 gebaut.

Ein besonderer Karosseriebauer in Deutschland war Karosserie Erdmann & Rossi, gegrundet im Jahr 1906. Das Unternehmen, das ursprunglich Pferdekutschen baute, lieferte in den zwanziger und dreissiger Jahren prachtvolle Karosserien fur luxuriose Automobilhersteller wie unter anderem Mercedes, Horch, Bentley und Rolls-Royce. Durch den Aufstieg der Massenproduktion und die Einfuhrung der Monocoque-Bauweise musste das Unternehmen nach dem Krieg seine Tore schliessen.
In der Boomphase nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA bemerkte Max Hoffman, ein erfolgreicher Importeur europaischer Luxusautos in New York, dass seine Handler eine grosse Nachfrage nach besonderen sportlichen Automobilen hatten. Hoffman war, nicht zuletzt durch sein erfolgreiches Geschaft, ein einflussreicher Mann und konnte den Hersteller Mercedes-Benz in Stuttgart davon uberzeugen, aus dem Mercedes-Benz W194 Grand-Prix-Wagen eine Strassenversion zu entwickeln, den Mercedes-Benz 300SL Gullwing (siehe Foto).
Das von Rudolf Uhlenhaut entworfene Modell wurde ein grosser Erfolg. Von der Gullwing Version ebenso wie von der spateren Roadster Version wurden insgesamt 3.258 Exemplare gebaut (1954-1963). Rund 80% der gesamten 300SL Produktion wurden in den USA verkauft. Max Hoffman hat ahnliche Empfehlungen bei anderen deutschen Autoherstellern ausgesprochen. Auf seine Bitte hin wurde von dem Porsche 356 die spartane Speedster Version gebaut, entworfen von Erwin Komenda (1957). Ebenfalls auf sein Betreiben hin wurde der von Allbrecht von Goertz entworfene BMW 507 auf dem amerikanischen Markt eingefuhrt.

Nicht zu vergessen ist Ferdinand Porsche, Ingenieur und Grunder von F. Porsche GmbH im Jahr 1931 und Konstrukteur unter anderem des Mercedes-Benz SSK und des Volkswagen Kaefer (Beetle). Letztere beiden standen im Zusammenhang mit zwei Projekten, die 1933 von Adolf Hitler angekundigt wurden: der Entwicklung eines ,Autos fuer das Volk und der Schaffung eines ,Highspeed-Autorennprogramms. Beide Projekte fanden durch den Krieg ein Ende. Nach dem Krieg, im Jahr 1948, begann das Unternehmen Porsche GmbH mit dem Porsche 356, dem ersten Auto, das den Markennamen Porsche trug.
Italien
Italienische Hersteller wie Fiat und Alfa Romeo waren bereits vor dem Zweiten Weltkrieg im Motorsport stark vertreten. Die damit erzielten Erfolge fuhrten zur Entstehung verschiedener Hersteller und Designer, die sich ausschliesslich mit der Produktion von Sportwagen beschaftigten, wie Ferrari, Maserati und Lamborghini. Das italienische Design erlangte dadurch grosse Bekanntheit, und viele Automobilhersteller aus Europa, aber auch daruber hinaus, nutzten gerne die Dienste italienischer Designer fur ihre Modelle. Beispiele fur ruhmreiche italienische Designer sind unter anderem Ercole Spada, Battista Farina (Pininfarina) und Giorgetto Giugiaro.
Ferraris erfolgreichste Sportwagen der Nachkriegszeit sind die Ferrari 250 Serien (1953-1964). Eine besonders elegante Version der 250 Serie ist der auf der Berlinetta basierende 250 GT Spider California SWB (siehe Foto). Das Auto wurde von Sergio Scaglietti entworfen, der auch das Design des Ferrari 250 GTO verantwortet.

Eine Reihe weiterer sehr eleganter Entwurfe wurde von Designern fur Alfa Romeo geschaffen. Ein absoluter Hohepunkt ist der Alfa Romeo 8C 2900B Touring Berlinetta, von dem zwischen 1937 und 1939 nicht mehr als 30 Exemplare gebaut wurden (siehe Foto unten).
Das Design stammt von Carrozzeria Touring, einem Karosseriebauer aus Mailand, der sowohl fur seine auerordentlich schonen Entwurfe als auch fur seine Superleggera-Bauweise bekannt ist, bei der besonders leichte Metallrahmen verwendet werden, die die Aluminiumkarosserie tragen.

Tschechische Republik und Slowakei
In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bis zum Beginn der neunziger Jahre nahm die Tschechoslowakei (heute Tschechische Republik und Slowakei) mit Marken wie Skoda, Jawa, CZ, Praga und Zetor eine wichtige Stellung in der Automobilindustrie ein. Sie zeichneten sich durch ihre originellen technischen Losungen und ihre besonderen Karosserieentwurfe aus. Ein Beispiel dafur ist der Tatra T87 aus dem Jahr 1948 (siehe Foto), der als eines der bemerkenswertesten Designs tschechischer Herkunft gilt. Die Konstrukteure Hans Ledwinka und Paul Jaray erreichten mit diesem aerodynamischen Modell einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,36, wodurch mit dem luftgekuhlten Dreiliter-V8-Motor eine Geschwindigkeit von 150 km/h erzielt werden konnte. Wahrend des kommunistischen Regimes verschwand die Originalitat in den Entwurfen, und einige Hersteller wurden schliesslich in grosse Automobilkonzerne aus der EU eingegliedert.

Vereinigte Staaten von Amerika
In den USA veranderte sich nach Henry Fords Model T (1908-1927) das Autodesign von kantig zu stromlinienformig, und es entwickelte sich ein eigener Stil als Markenzeichen der Hersteller. Ein Beispiel hierfur ist der 1934er Chrysler Airflow, ein aerodynamisches Design des Chrysler Ingenieurs Carl Breer. Er nutzte als einer der ersten Windkanaltests und zeigte damit, dass mit stromlinienformigen Autos hohere Geschwindigkeiten und ein geringerer Kraftstoffverbrauch erzielt werden. Wegen des umstrittenen Aussehens wurde die Airflow vom Publikum jedoch nicht gut angenommen. Die Produktion des Modells wurde 1937 eingestellt.
Ein weiterer bekannter Designer aus den dreissiger Jahren war Harley Earl, Leiter der Designabteilung bei GM. Er war der Erfinder des Concept Cars. 1938 brachte er den Buick Y-Job heraus, ein einmalig gefertigtes Exemplar, dessen einziger Zweck darin bestand, die Reaktion der Offentlichkeit zu testen, um anschliessend nur die akzeptierten neuen Stylingelemente und Technologien in die Massenproduktion zu ubernehmen. So war das Auto unter anderem mit versenkbaren Frontscheinwerfern, durchgehenden Stossfangern und in die Karosserie eingelassenen Turgriffen ausgestattet (siehe Foto). Harley Earl erhielt innerhalb von GM nicht viel Unterstutzung fur seinen Concept-Car-Ansatz. Sein Designstudio bekam auch schnell den Spitznamen Beauty Parlor (Schonheitssalon).

Das ohne Beurteilung durch das Publikum direkte Ueberfuehren radikaler Stylingkonzepte und neuer Technologien in die Serienproduktion kann zu kostspieligen Verkaufsflops fuehren. Ein Beispiel dafuer ist der Edsel (1957-1959), der trotz seiner innovativen Anwendungen und besonderen Gestaltung kein Erfolg wurde und dem Mutterkonzern Ford einen Verlust von 350 Millionen Dollar einbrachte.
Harley Earl gilt auch als der Vater der Heckflosse mit dem Design des Cadillac von 1959. In dieser Zeit erlebten die USA eine boomende Wirtschaft, und man lebte in einer Welt der Luftfahrt, Raumfahrt und Raketen (space age). Die hintere Stossstange des Cadillac hatte auf beiden Seiten das Aussehen von zwei Turbinentriebwerken, und die roten Ruecklichter in der Heckflosse erinnerten an Raketenfeuer (siehe Foto). Heckflossen verschwanden nach und nach in den sechziger Jahren und wurden in Europa nur noch vereinzelt verwendet. Der Cadillacist im Louwman Museum zu besichtigen.

Als der Markt gesaettigt zu werden begann, gab es in den USA auch eine Veraenderung im Autodesign. Um den Absatz aufrechtzuerhalten, fuehrte man das Modelljahrkonzept mit kleinen technischen oder kosmetischen Aenderungen (Facelift) ein. Damit wurden Autobesitzer ermutigt, jedes Jahr die neueste Version mit den aktuellsten Anwendungen zu kaufen. Diese Strategie hatte Auswirkungen auf die Designabteilungen, den Autohandel und die amerikanische Wirtschaft.
Der Designprozess
Im Allgemeinen arbeiten Autodesigner im Team mit verschiedenen Fachrichtungen zusammen, darunter Ingenieure, die die technischen und gesetzlichen Moglichkeiten und Einschrankungen im Entwurf aufzeigen konnen. Das Aussendesign wird zunachst mithilfe einer Reihe manueller Skizzen und Zeichnungen erstellt, die von internen und/oder extern beauftragten Designern geliefert werden. Mit dem Einzug des Computers wurden auch eine Reihe digitaler Skizzen und Zeichnungen erstellt.
Der Hersteller kann mehrere Designer gleichzeitig an ihrem Entwurf arbeiten lassen. Fuer einige vom Management genehmigte Entwuerfe wird dann ein Tonmodell im Massstab 1/4 angefertigt. Aus dieser Reihe von Modellen im kleinen Massstab wird schliesslich der endgueltige Entwurf ausgewaehlt. Auf dem beigefuerten Foto sehen wir Flaminio Bertoni im Jahr 1933 bei der Arbeit an einem Tonmodell des Citroen Traction Avant.

Aus dem endgultigen Entwurf wird heute mit Hilfe eines Computerprogramms ein Tonmodell in Originalgrosse (Massstab 1:1) hergestellt. Eine computergesteuerte CNC Fraesmaschine formt den grob modellierten Ton exakt in die Form des Fahrzeugs, wie es im Computerprogramm entworfen wurde. Durch das Anbringen farbiger Folien und Detailelemente erhaelt man schliesslich ein aeusserst wirklichkeitsgetreues Erscheinungsbild.
Selbst heute, in einer Zeit von High-Class-3D-Software und virtuellen Modellen auf lebensgrossen Bildschirmen, ist das Tonmodell noch immer das wichtigste Werkzeug, um das Design eines Autos zu beurteilen. Der Einsatz von Computerprogrammen (CAD) hat jedoch die Entwicklungszeit fur den Hersteller deutlich verkurzt. Ausserdem werden weniger Vorserienmodelle fur Qualitats- und Produktionstests benotigt, was Kosten spart. Die Zeitspanne von der ersten groben Skizze auf Papier bis zur Einfuhrungsprasentation vor der Offentlichkeit betrag heutzutage nur noch 2 1/2 bis 3 1/2 Jahre, je nach Komplexitat des Modells.
Alfred Koeten