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Ford mit einem "T"

Ford mit einem "T"

4. September 2014

Das T-Modell von Ford ist wahrscheinlich das bekannteste klassische Auto. Der Einfluss, den dieses Modell auf die Automobilindustrie und auf die Rolle des Autos in der Gesellschaft hatte und noch immer hat, ist enorm.

Der Weg, den Ford (sowohl der Mensch als auch der Unternehmer) gegangen ist, ist alles andere als gewohnlich. Henry Ford arbeitete anfangs bei Edison, baute jedoch in seiner Freizeit ein Fahrzeug, das 1896 zum ersten Mal das Tageslicht erblickte.

Ford mit einem "T"

Ein zweites Modell folgte ein paar Jahre spater. Er verliess das Unternehmen von Thomas Edison und schloss sich der Detroit Automobile Co. an. Im Jahr 1903 grundete er die Ford Motor Company, naturlich in Detroit, seinem Wohnort. Der Anfang von Ford war schwierig, denn in dieser Zeit tobte der juristische Streit um das sogenannte Selden-Patent, durch das die amerikanische Autoindustrie faktisch in Geiselhaft genommen wurde. Selden beanspruchte, das Auto erfunden zu haben, und hatte dies auch patentieren lassen. Kurz gesagt, jeder, der in Amerika ein Auto baute, musste eine sogenannte Gebuhr an Selden zahlen. Ford und einige andere wehrten sich erfolgreich dagegen und gewannen schliesslich den langwierigen und ausserst kostspieligen Rechtsstreit.

Mitten in all dem musste Ford naturlich Autos bauen. Der erste Typ, den er auf den Markt brachte, war das Modell A. Wahrend andere Hersteller oft komplizierte Namen fur ihre Produkte erfanden, folgte Ford dem Alphabet. Dieses Modell, das „A“, von dem ubrigens ein schones Exemplar im Louwman Museum zu sehen ist, war sofort ein Erfolg.

Anfangs lagen die Ford Automobile preislich auf dem gleichen Niveau wie die Konkurrenz. Die verschiedenen Modelle folgten weiterhin in alphabetischer Reihenfolge aufeinander. Henry Ford kam irgendwann auf die Idee, ein Auto zu bauen, ein einfaches, leichtes Modell. Ein preisguenstiges Auto, das in grossen Stueckzahlen produziert werden konnte.

Allerdings war einer der anderen Großaktionare, Alexander Malcolmson, der Ansicht, dass mit teureren, luxuriöseren Autos mehr Gewinn erzielt werden konnte. Das Modell B (und spater das Modell K) war das Ergebnis dieser Theorie.

Kurz nach der Markteinfuehrung des Model K kaufte Henry Ford diesen Grossaktionaer fuer 175.000 Dollar aus. Von diesem Zeitpunkt an konnte Henry Ford selbst bestimmen, wie es weitergehen sollte. Das Model N wich von der bis dahin verfolgten Linie ab. Dieser Typ war deutlich guenstiger als das vergleichbare Modell von Oldsmobile.

Nachfolgend finden Sie eine Ubersicht uber die wichtigsten Typen, die schliesslich zum „T“ gefuhrt haben.

Modell A, produziert ab Juli 1903.

Dieses Modell wurde im Werk Mack Avenue gebaut. Dieses Auto hatte einen 2 Zylinder Motor, 8 PS und eine Geschwindigkeit von ca. 48 km/h. Der Preis betrug 750 $ (fur die 2 Personenversion) oder 850 $ (fur die 4 Personenversion). Es wurden etwa 1.750 Stuck davon produziert.

Modell B, produziert ab Oktober 1904. Dieses Modell wurde nach dem Umzug der Fabrik im November 1904 im "Piquette Plant" hergestellt. Dieses Auto hatte einen 4-Zylinder-Motor, 24 PS und eine Geschwindigkeit von ca. 60 km/h. Der Preis betrug 2000 $. Es wurden etwa 500 Stuck davon produziert.

Modell C, produziert ab November 1904. Dieses Auto hatte einen 2 Zylinder Motor, 10 PS und eine Geschwindigkeit von ebenfalls ca. 60 km/h. Der Preis betrug 850 $. Davon wurden etwa 800 Stuck hergestellt.

Modell F, produziert ab Marz 1905. Dieses Auto hatte einen 2-Zylinder-Motor, 12 PS und eine Geschwindigkeit von ca. 60 km/h. Der Preis betrug 1100 $. Es wurden etwa 1000 Stuck davon gebaut.

Modell K, produziert ab April 1906. Dieses Auto hatte einen 6-Zylinder-Reihenmotor, 40 PS und eine Geschwindigkeit von ca. 80 km/h. Der Preis betrug 2.500 $. Es wurden etwa 900 Stuck produziert. Davon existieren noch rund 25 Exemplare.

Modell N, produziert ab Juli 1906. Dieses Auto hatte einen 4 Zylinder Motor, 15 PS und eine Geschwindigkeit von ca. 72 km/h. Der Preis betrug 600 $. Es wurden etwa 7.000 Stuck hergestellt.

Modell R, produziert ab April 1907. Dieses Auto hatte einen 4 Zylinder Motor, 15 PS und eine Geschwindigkeit von ca. 72 km/h. Der Preis betrug 750 $. Es wurden etwa 2.500 Stuck davon produziert.

Modell S, produziert ab August 1907. Dieses Auto hatte einen 4 Zylinder Motor, 15 PS und eine Geschwindigkeit von ca. 72 km/h. Der Preis betrug $ 700. Davon wurden etwa 3.750 Stuck gebaut.

Model T, produziert ab Oktober 1908. Dieses Auto hatte einen 4 Zylinder Motor, 20 PS und eine Geschwindigkeit von ca. 72 km/h. Der Preis betrug anfanglich 850 $. Bis Mai 1927 wurden 15.007.033 Exemplare produziert.

Die ersten 14.000 Autos wurden im Werk Piquette Plant produziert und danach wurde die Produktion in den komplett neu errichteten, riesigen Fabrikkomplex Highland Park verlegt.

Vor allem in den letzten Produktionsjahren des Model T gab es erheblichen Widerstand gegen die Entwicklung eines Nachfolgers fur dieses ausserst erfolgreiche Modell. Dieser Widerstand, insbesondere von Henry Fords Sohn Edsel, dem vorgesehenen Nachfolger seines Vaters, richtete sich darauf, dass ein neues Modell entwickelt werden sollte. Es musste ein neues Modell auf den Markt kommen, so wie es die Konkurrenz tat, die regelmassig neue Modelle einfuehrte, allen voran der ewige Rivale General Motors.

Nachdem die Produktion des Model T im Mai 1927 eingestellt worden war, stand Fords Werk sechs Monate lang still, um die Fertigungsstrasse auf den neu entwickelten A-Ford umzustellen. Dabei handelte es sich um ein Auto mit einem 4-Zylinder-Motor mit 40 PS und einem komplett neuen Getriebe. Der Wagen erreichte eine Geschwindigkeit von etwa 100 km/h. Von diesem Modell, das bis 1932 produziert wurde, wurden rund 5.000.000 Exemplare gebaut. Nach dem A-Ford wurde auch noch der B-Ford hergestellt.

Im Jahr 1932 wurde ein vollig neuer Motor fur die nachfolgenden Modelle entwickelt. Dieser neue Motor war der V8-Motor mit einer Leistung von 80 PS. Ford hatte ein Verfahren entwickelt, um den V8-Motor als einen Block zu giessen, und das wurde ein uberwaeltigender Erfolg. Hinsichtlich der Kosten war dieses Verfahren sehr effizient und verschaffte dem Unternehmen einen Vorsprung gegenuber der Konkurrenz, die zwar ebenfalls V8-Motoren herstellte, dies aber weiterhin nach der traditionellen, deutlich teureren Methode tat.

Der B-Ford konnte ubrigens auch mit einem V8-Motor geliefert werden.

Nach dem B-Ford wurde auf eine andere Typenbezeichnung umgestellt und nicht mehr die A-, B- oder andere Buchstaben verwendet.

Das T-Modell Ford ist und bleibt ein aussergewohnliches Auto. Das Louwman Museum hat ein fruhes und ein spat hergestelltes Exemplar ausgestellt, sodass man die Entwicklung des Autos im Laufe der Jahre gut nachvollziehen kann. Achten Sie besonders auf die verschiedenen verwendeten Materialien; so besteht der fruhe Kuhler aus Kupfer, wahrend die spatere Version aus gepresstem Stahl gefertigt ist.

Ford mit einem "T"

Fords Ziel war es, das Auto immer effizienter zu produzieren, ohne dass die Qualitat des Fahrzeugs als Ganzes darunter litt. Das Lenkrad, das zu dieser Zeit traditionell auf der rechten Seite des Autos angebracht war, wurde unter anderem aus Grunden der Verkehrssicherheit nach links verlegt, und zwar in den Landern, in denen auf der rechten Straßenseite gefahren wurde. Ford war einer der Ersten, die diesen Schritt vollzogen.

Im Jahr 1925 zahlte man nur noch 290 US Dollar. Dies wurde zum einen dadurch erreicht, dass bei der Produktion billigere Materialien verwendet wurden, und zum anderen dadurch, dass so viele Bauteile wie moglich standardisiert wurden. Im Jahr 1913 setzte Henry Ford als Erster das Fliessband in der Automobilindustrie fur die Produktion seiner T Fords ein. Von da an liefen jahrlich deutlich mehr T Fords vom Band. 1914 verdoppelte Ford daher die Taglohne seiner Arbeiter auf 5 US Dollar und fuhrte den 8 Stunden Tag ein. Jeder wollte bei Ford arbeiten. Es wurde im 3 Schicht Betrieb gearbeitet.

Die Massenproduktion machte auch den Lackiermethoden in der Automobilindustrie ein Ende. Die traditionellen Lacke fur die Karosserie trockneten zu langsam. Das Lackieren eines Autos dauerte immer noch 10 Tage. Ford stellte fest, dass der einzige Lack, der schnell genug trocknete, um die Produktion nicht ins Stocken geraten zu lassen, eine klebrige Substanz war, die Black Japan genannt wurde. Sie war eine Mischung aus Asphalt, Kopal (eine Art Harz), Leinol und Terpentin.

Ford machte aus der Not eine Tugend, als er sagte:

"Das T-Modell von Ford ist in jeder Farbe lieferbar, solange sie nur schwarz ist."

Aus dieser beruehmt gewordenen Aussage koennte man schliessen, dass alle T-Modelle schwarz lackiert wurden. Das stimmt jedoch nicht. Bis Januar 1914 (und nach 1925, als die Lackiertechniken endlich mit dem Fliessband Schritt halten konnten) gab es eine Auswahl an verschiedenen Farben. 1917 war ein wichtiges Jahr fuer die Vereinigten Staaten: Das Land wurde in den Ersten Weltkrieg hineingezogen. Die Industrie stellte auf Kriegsproduktion um, und fuer Ford bedeutete dies, dass die Lkw-Produktion gesteigert wurde. 1917 war auch ein wichtiges Jahr fuer Ford. Nachdem Henry Ford die Massenproduktion beherrschte, suchte er nach einem Weg, unabhaengig von Zulieferern zu werden. Auch die Produktion aller Teile wollte er in eigener Hand haben. Dafuer suchte Henry Ford nach einem Standort fuer den Bau eines voellig neuen Fabrikkomplexes. Dieser wurde "The Rouge" genannt, nach dem gleichnamigen Fluss. Rohstoffe wie Eisenerz kamen per Schiff an und wurden in eigenen Hochofen zu Stahl verarbeitet, um anschliessend zu Bauteilen weiterverarbeitet zu werden. Auch die Schiffe, die das Erz transportierten, waren Eigentum von Ford.

Das T-Modell von Ford war ein bahnbrechendes Auto. Man wurde daher auch erwarten, dass das Fahren in einem T-Modell ebenfalls fortschrittlich ware, urteilen Sie selbst:

Die ersten 800 T-Fords hatten nur zwei Pedale und einen Hebel zum Ruckwartsfahren. Alle danach gebauten T-Fords hatten 3 Pedale: Das linke Pedal gedrueckt ist der 1. Gang, losgelassen ist der 2. Gang. Das mittlere Pedal: gedrueckt dient zum Ruckwartsfahren. Das rechte Pedal ist die Bremse. Der Gashebel (Gasmanet) befindet sich am Lenkrad. Viel Erfolg!

Hans Maas in Zusammenarbeit mit der Redaktion Louwman Museum