
Frau sucht den Klassiker ihrer Traume
5. Januar 2016
Wie schafft es eine junge autobegeisterte Frau, sich den Klassiker ihrer Traume zu sichern? Ich nehme dich mit auf meine Suche und was danach geschah.
Angenehm, ich bin Rose Atalante Veenenbos von CRANKHANDLEBLOG, die Autorin dieses Artikels. Die Redaktion des Louwman Museum Newsletters hat mich gebeten, die Ereignisse waehrend meiner Suche niederzuschreiben. Vielleicht etwas ungewoehnlich als junge Frau, aber gerade das macht meine Geschichte besonders schoen.
Wenn du dir einen klassischen Wagen zulegen mochtest, brauchst du – noch mehr als bei einem modernen Auto – einen gut durchdachten Plan. Bestandteile eines solchen Plans sind die folgenden Punkte:
• Finde zuerst fur dich selbst heraus, wonach du wirklich suchst: Vorkriegs- oder Nachkriegsmodell, welche Marke und/oder welcher Typ, welche Karosserieform (meist offen), welcher Zustand usw. und vor allem ... wie hoch ist dein Budget (ein Restaurierungsobjekt ist oft nur etwas fur prall gefullte Geldbeutel)
• Was hast du mit deinem Neuzugang vor? Gibt es einen netten Markenclub, der Ausfahrten und Veranstaltungen organisiert usw.?
• Nimm dir auf jeden Fall genug Zeit, um dich gut zu orientieren!
• Die suche selbst: sieh dich im internet auf seiten wie PreWarCar oder PostWarClassic um, vergiss aber vor allem nicht, auch bei den inzwischen gefundenen markenclubs nachzufragen, was mitglieder zum verkauf anbieten, und verhindere so, dass dir dein traumauto vor der nase weggeschnappt wird oder du einen fehlkauf taetigst.
• Der Kauf – meist ein heikler Prozess aus Feilschen und Bieten – ist ein langwieriger und manchmal auch nervenzehrender Vorgang. Schau dir das Auto immer zuerst an, am besten in Begleitung eines Kenners, und versuche zu vermeiden, dass man merkt, wie gern du das Auto haben mochtest. Auf einer Auktion zu kaufen ist eine andere Sache; es gibt immer ein Risiko und du zahlst eine hohe Provision (stark unterschiedlich, von 10 bis 20 Prozent des Zuschlagpreises). Lass alles gut schriftlich festhalten.
• Zu Hause angekommen stellt sich die Frage, ob am Auto gearbeitet werden muss – meistens ist die Antwort ja, denn der neue Besitzer mochte immer einiges anders haben. Und macht man das dann selbst oder lasst man es machen?
• Wie auch immer, an dem neuen Zugang wird es Wartungsarbeiten geben, meist mehr als du erwartet hattest, daher ist ein gutes Unternehmen in der Nahe kein ubertriebener Luxus, schon allein um ein Auge darauf zu haben.
Ich hoffe, mit meiner Geschichte vor allem junge Petrolheads inspirieren und begeistern zu konnen, dieses Abenteuer anzugehen, denn es ist wirklich sagenhaft!
In meiner Familie besitzt man schoene franzoesische Automobile von Marken, die man nicht an jeder Strassenecke findet, wie Hispano-Suiza. Da wollte ich natuerlich auch dazugehoeren! Also beschloss ich, meinem Traum nachzugehen und ein Automobil zu finden, das fuer einen Anfaenger voellig ueberambitioniert waere ... genau meine Art, Dinge anzugehen. Wie Sie bereits lesen konnten, ist das nicht unbedingt der beste Ansatz ... So begann mein Abenteuer also doch erst einmal mit einer Orientierungsphase.
Schon bald machte ich mir ein Bild davon, was ich wollte. Bis mich ein Bekannter, ein Bugattist (Liebhaber von Bugattis), auf eine Idee brachte. Es stellte sich schnell heraus, dass ein echter Bugatti, mein ultimativer Traum, oder ein Hispano-Suiza dann doch etwas zu hoch gegriffen waren. Er erzahlte mir von der Existenz des „poor mans Bugatti“. Ausserdem wurde ich von anderen immer wieder auf die sogenannten „Cyclecars“ hingewiesen, die nicht nur sehr viel Spass beim Fahren zu machen schienen, sondern auch noch relativ bezahlbar waren. Zudem fuhren viele jungere Liebhaber in dieser Art von Autos. Mein eigenes Ideal war eine franzosische Marke, die nicht sehr bekannt ist und nicht an jeder Strassenecke zu finden ist.

Amilcar CCGS (1926)
Ich vergesse fast zu erklaren, was ein ,poor mans Bugatti, eigentlich ist. Es ist ein sportlich aussehendes Autochen, das dem Bugatti Brescia oder dem T37 ahnelt, Autos, mit denen man auf jeden Fall Spass haben kann. Das geht auch heute noch, und das ist naturlich ideal fur die jungere Generation, die Einsteiger, die oft (noch) nicht das Budget fur einen echten Bugatti haben.
Das Prinzip des poor mans Bugatti brachte mich ziemlich schnell in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Ich habe zwar auch uber die Zeit danach nachgedacht, da diese Autos in Bezug auf Mobilitat etwas flexibler sind, d. h. man kann im modernen Verkehr meist gut mithalten. So einen vorkriegs racER musst du eher auf einem Anhaenger mitnehmen, aber auf diese Weise kannst du auf dem Weg zu Rallyes auch langere Strecken zurucklegen. Nach einigem Abwagen und vielen Nachfragen (nutze dein Netzwerk) sprach mich also ein kleiner Vorkriegs racer am meisten an. Mit so einem Wagen kannst du problemlos an vielen tollen Veranstaltungen teilnehmen.
Der nachste Schritt war, mir den Markt anzusehen: Welche Angebote gibt es mit welchen Marken und einem spritzigen, aber nicht zu komplizierten Motor (ich lerne noch, selbst zu schrauben, also keine technischen Meisterleistungen zum Einstieg) und das Ganze innerhalb meines Budgets. Zum Letzteren: Das ist etwas, von dem man sich anfangs nicht vollig leiten lassen sollte, wenn man den Traumwagen vor sich stehen sieht.
Die Art Oldtimer, nach der ich also suchte, ein Cyclecar oder Voiturette in Fachkreisen, brachte einige sehr interessante Kandidatenmarken aus Frankreich hervor, insgesamt vier. BNC und Rally erwiesen sich als eher schwer zu finden (von Ersatzteilen ganz zu schweigen), sodass zwei Marken ubrig blieben: Amilcar und Salmson, wobei Salmson bereits eine etwas grosere Herausforderung darstellte.

Ich hatte einen Aufruf beim niederlandischen Amilcar-Cyclecar-Club gestartet und meinen Plan mit mehreren Gleichgesinnten geteilt. Es blieb jedoch die Frage, ob ich nach einem direkt fahrbereiten Poor mans Bugatti oder nach einem Projekt suchte. Letzteres reizte mich namlich auch sehr, schon allein wegen der Herausforderung. Nach Besuchen bei einigen Cyclecar-Besitzern und viel Schriftverkehr stellte ich fest, dass ein Projekt zwar sehr charmant wirkt, fur mich im Moment aber doch eine Nummer zu gross war. Auch vom Budget her konnte ich es nicht machen, denn ein Projekt kommt in den meisten Fallen teurer als ein fertiges Renngefahrt, es sei denn, man ist ein sehr erfahrener Hobbyschrauber. Und man darf nicht die Zeit vergessen, die vergeht, bis man endlich fahren kann. Vielleicht etwas fur spater?
Unterwegs auf meiner Suche wurde ich immer ungeduldiger, um etwas an den Haken zu bekommen, besonders nachdem ich auf der Rennstrecke von Zandvoort erleben konnte, was fuer ein besonderes Erlebnis solche Wagen bieten koennen. Es war zugleich eine gute Gelegenheit, einmal verschiedene Marken und Vorkriegsrennwagen nebeneinander zu sehen.
Nach einiger Zeit erfuhr ich etwas, das letztendlich dazu fuhrte, dass ich jetzt meinen eigenen 'Poor mans Bugatti' habe, und nicht einfach irgendein Exemplar...
Mehr uber mein Abenteuer in der nachsten Ausgabe dieses Newsletters!
Geschrieben von Rosemarijn Atalante Veenenbos