
Frau sucht den Klassiker ihrer Traume - Teil 3
5. Januar 2016
Hier folgt der letzte Teil dieser Trilogie. Wie in jedem Marchen geht es gut aus!
Die Suche geht weiter. Ich bin bei einem Fahrgestell eines Salmson VAL3 gelandet, einem Cyclecar mit einem Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen! Dieser schien jedoch moglicherweise erst spater aus einzelnen Teilen zusammengesetzt worden zu sein. Wie lange und wie oft etwas angeboten wird, kann manchmal auch ein Hinweis sein und sich als Lektion fur die Zukunft erweisen. Ich habe den Salmson VAL3 daher nicht gekauft.
Von einem erfahrenen Amilcar/Salmson Sammler und Schrauber bekam ich sehr nuetzliche Tipps und Informationen und viele gute Ratschlaege, die ich mir zu Herzen genommen habe. Der Verkaeufer riet mir unter anderem, niemals ein Projekt zu beginnen, wenn dein Budget begrenzt ist und schon gar nicht, wenn du selbst kein erfahrener Schrauber bist. Wahrscheinlich kommst du guenstiger weg, wenn du dir einen restaurierten Wagen anschaffst, besonders wenn dieses Hobby neu fuer dich ist und du noch keine Erfahrung damit hast. An diese Regel habe ich mich gehalten, und letztlich ist es auch deutlich attraktiver, als junger Petrolhead erst einmal schoen fahren zu koennen und nebenbei an einem nicht allzu komplizierten Motor schrauben zu lernen. Ein Projekt kann immer noch kommen, dann aber mit deutlich mehr Erfahrung und Wissen. Aber zuerst brauchte es einen Amilcar...
Budget ist naturlich ausschlaggebend, aber zugleich auch ein riesiges Dilemma, besonders wenn man etwas Schoenes findet, das daruber hinausgeht. Fur einen schon restaurierten Amilcar, der attraktiv aussieht, muss man vielleicht bereit sein, etwas mehr auszugeben oder einfach Gluck haben. Wie mein Vater immer zu mir sagte: "Nein hast du, ja kannst du bekommen". Vorher hatte ich schon einmal einen richtig tollen CGS auf der Seite von PreWarCar entdeckt, aber diesen osterreichischen CGS hatte ich bereits aus dem Kopf gestrichen, weil mir jemand sagte, er sehe zu "neu" aus und scheine zu teuer zu sein. Doch dann geschah etwas ganz anderes...
Von einem Bekannten habe ich gehoert, dass in den Niederlanden ein CGS zum Verkauf stand. Es war zu schoen, um wahr zu sein, vor allem weil er in perfektem Zustand sein sollte und seltsamerweise zu einem sehr attraktiven Preis angeboten wurde. Also habe ich sofort Kontakt mit dem Eigentuemer aufgenommen, aber leider war ich gerade zu spaet, er war bereits verkauft. Und der Preis war tatsaechlich sehr vernuenftig! Autsch, das tat weh, und ich war eine Weile richtig geknickt.
Nach dieser lehrreichen Erfahrung konzentrierte ich mich doch wieder auf diese CGS in Osterreich, von der ich so begeistert war. Nach einem Telefonat war ich zwei Tage spater mit meinem Vater in Osterreich, und dort offneten sich die Garagentore...

Das war er, ein prachtiger Amilcar CGS mit dem Look eines Alfa Romeo 6C (vor allem in dieser Farbe!). Nachdem ich am eigenen Leib erfahren hatte, wie schwierig es sein kann, den richtigen Amilcar zu finden, fuehlte sich dies trotz meiner frueheren Bedenken wie meine grosse Chance an. Zum Glueck sah mein Vater das genauso, und ohne allzu viel Zoegern und nach einer Probefahrt verliessen wir Oesterreich mit einem Kaufvertrag. Es war nur noch eine Frage der Abholung, und die Feier konnte endlich beginnen mit dem Amilcar CGS von 1925, der inzwischen auf den Namen mein Amillioncar getauft worden war.
Ein Abenteuer ist es auf jeden Fall, denn wie wir schon in Osterreich bemerkt hatten, lief das Starten des Motors nicht gerade reibungslos. Man kauft sich naturlich kein neues Auto, auch wenn dieser CGS schon ein bisschen ein ,neues Auto war, da er nach der Restauration kaum gefahren worden war. Das ist nicht wirklich ideal, denn es bedeutet, dass, obwohl wir es hier mit einem 91 Jahre alten Auto zu tun haben, immer noch Kinderkrankheiten auftreten konnen. Meiner Meinung nach ist das an sich schon ein Abenteuer und gleichzeitig ein lehrreicher Prozess. Es liegt eine Zeit vor dir, in der du viel Geduld haben musst, im Wissen, dass du nach allen Kinderkrankheiten ein perfektes Auto hast, das ziemlich zuverlassig sein sollte. Aber es bleibt naturlich trotzdem ein Auto mit einem Entwurf aus der Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Eine erste Prioritat, wenn man selbst kein Automechaniker ist, lautet: Suche dir einen guten und zuverlassigen Restaurator/Mechaniker, mit dem du gut zurechtkommst. Gerade Letzteres ist etwas, das man nicht unterschatzen sollte. Eine andere alte Weisheit in diesem Zusammenhang ist, dass man damit rechnen muss, dass man auf den ersten 5000 km mit allerlei unerwarteten Uberraschungen konfrontiert werden kann. Erst danach sind hoffentlich alle Kinderkrankheiten behoben. Und noch eine andere alte Weisheit lautet: Gib nicht zu schnell auf! Wie oft hat jemand seinen Klassiker verkauft, weil er es nicht mehr sah, und rief der Kaufer nach Hunderten von Kilometern Fahrt nach Hause an, um zu sagen, dass die Fahrt perfekt verlaufen sei, ohne jeglichen Mangel.
Nachdem der Motor entsprechend eingestellt und das Fahrzeug naturlich beim RDW fur ein Kennzeichen abgenommen worden war, konnte ich den Motor endlich zum Laufen bringen. Und dann kommt der Teil, waar ich mich zo op verheugd hatte: das Fahrerlebnis, und was fur ein Erlebnis das ist! Das Gefuhl eines Vorkriegsautos kannte ich bereits, und auch ein bisschen die Erfahrung mit Zwischengas beim Doppelkupplungsschalten und dem Gaspedal in der Mitte, aber die erste Fahrt in meinem eigenen Amilcar war einfach super! Voller Begeisterung und ohne Angst sprang ich hinter das Steuer, und es fuhlte sich an, als ware ich schon seit Jahren damit unterwegs. Herrlich ohne kleine Frontscheiben und einmal kurz zuruck ins Jahr 1925 ... na ja, fast. Jetzt heisst es, viele Kilometer fahren und das Auto wirklich gut kennenlernen. Auch mit dem Zwischengas bekommst du immer besser ein Gefuhl dafur, wie du am besten schaltest. Das ist der Charme eines Vorkriegsautos.
Bis jetzt besteht die Routine darin, ein Stuck zu fahren und dann wieder alles in Ordnung zu bringen, denn diese Kinderkrankheiten ... sie sind kein Marchen. Ein beruhigender Gedanke ist allerdings, dass am Ende alles wieder gut wird und alles repariert werden kann, naturlich mit dem ultimativen Ziel, spater mit einem guten Gefuhl an den internationalen Cyclecar-Veranstaltungen teilzunehmen, wo auch immer sie stattfinden mogen. Sollte ich dann doch einmal liegen bleiben, hoffe ich, den CGS inzwischen so gut zu kennen, dass ich Probleme selbst losen kann, zumindest so weit wie moglich.

Wie gesagt, ein schoener Nebeneffekt meines Amilcar CGS ist, dass ich an vielen schoenen Veranstaltungen teilnehmen kann, etwa an Ausfahrten netter Clubs (mein "poor mans Bugatti" faehrt froehlich zwischen den echten Bugattis mit). Und an Rallyes, die ebenfalls eine Kategorie fuer Vorkriegsfahrzeuge haben, an Sprints in Zandvoort oder waehrend des Concours dElegance Paleis het Loo und so weiter. Eine ganz neue Welt oeffnet sich fuer dich.
Ich hoffe, dass ich mit meiner Geschichte alle erreicht habe, die mit denselben Gedanken wie ich herumlaufen, und dass ich Sie dazu gebracht habe, ein solches Abenteuer zu wagen. Wer weiss, wohin es fuhren kann... Fuer mich hat das Abenteuer gerade erst begonnen, und ich kann Ihnen versichern, dass dies etwas ist, das man erleben muss – und das ist auch moglich. Man braucht nur einen soliden Plan und eine gute Orientierung, denn ich denke, dass jeder Vintage fahren kann. Bedenken Sie, dass der Markt im Bereich der Klassiker unglaublich breit ist und weit mehr umfasst als nur Sportwagen aus den 60er- und 70er-Jahren.
Text: Rose Veenenbos - CRANKHANDLEBLOG