
Martini Racing und Sponsoring im Motorsport
27. Februar 2014
Bis Mitte der sechziger Jahre wurden nur wenige Fahrer und Teams von zum Beispiel Benzinmarken, Reifenherstellern und anderen Zulieferern gesponsert.
Grosse kommerzielle Sponsoren gab es kaum. Das veranderte sich 1968, als Colin Chapman eine englische Zigarettenmarke davon uberzeugte, Geld in seinen Rennstall Lotus zu investieren. Zunachst hiess das Team Gold Leaf Team Lotus und spater John Player Special. Die traditionellen Rennfarben, die es den Zuschauern so leicht machten, die Herkunftslander zu erkennen, verschwanden. An ihre Stelle traten auffallige Werbeaufdrucke auf allem, was mit dem Team zu tun hatte. Die Liebhaber waren daruber gar nicht begeistert.
Nach der Formel 1 traten auch die anderen Rennklassen mit Sponsoren auf, die nicht direkt mit dem Rennsport in Verbindung gebracht wurden. Einer davon war Martini und Rossi, ein Getrankehersteller aus Italien. Kritiker fanden es gar nicht gut, dass ein Hersteller alkoholischer Getranke den Rennsport sponsorte. Tabakwaren waren damals noch akzeptiert, aber auch daruber ist man im Laufe der Jahre anders zu denken begonnen.
Eine Sache, die das Sponsoring mit sich brachte, war, dass das Starterfeld deutlich farbenfroher aussah als in den Jahren zuvor. Selbst die Platzierung der Startnummern der Autos war den Sponsorbotschaften untergeordnet. Die Bekanntheit des Hauptsponsors wurde wichtiger als der Name des ursprunglichen Teams.
Anfangs sponserte Martini das Team von Freiherr Karl von Wendt. Die enge Verbindung von Karl von Wendt zu Porsche war Grund genug, um zu Porsche zu wechseln. Zu dieser Zeit fuhr das Team des legendaeren John Wyer mit Werks-Porsches, die vom amerikanischen Olkonzern Gulf gesponsert wurden. Porsche nahm damals als "Porsche Osterreich" an den Rennen zur Langstrecken-Weltmeisterschaft, den sogenannten Endurance-Rennen, teil. Dieses Team wurde der gluckliche Empfanger der Martini-Sponsorgelder. Die Fahrer, unter ihnen unser Landsmann Gijs van Lennep, waren erfahrene Porsche-Piloten.

Die damaligen Autos, die Porsche 917K, wurden in den sehr farbenfrohen und unverwechselbaren Martini-Farben herausgeputzt. Die Siege liessen nicht lange auf sich warten, mit dem Hohepunkt des Erfolgs von Van Lennep/Marko bei den 24 Stunden von Le Mans im Jahr 1971. Die in diesem Rennen zuruckgelegte Distanz (und damit auch die Durchschnittsgeschwindigkeit) ist noch immer ein Rekord, mehr als 40 Jahre danach! Warum, werden Sie sich fragen. Seit jener Zeit wurde die Rennstrecke verandert!

Nach den vielen Erfolgen bei Langstreckenrennen suchte Martini nach anderen Moglichkeiten im Motorsport und landete bei Tecno aus Bologna. Tecno war ein sehr erfolgreicher Hersteller von Formel-2- und Formel-3-Wagen und hatte den Plan gefasst, in der Saison 1972 in die Formel 1 einzusteigen. Hierfur hatte man einen eigenen 12-Zylinder-Boxermotor mit 3 Litern Hubraum gebaut. Auch das Chassis war eine Eigenkonstruktion. Mit Derek Bell und Nanni Galli als Fahrern schien der Erfolg sicher. Die Realitat sah jedoch anders aus. Das Auto war zu schwer und nicht konkurrenzfahig. Auch im darauffolgenden Jahr, mit niemand Geringerem als Chris Amon am Steuer, wurde es nicht viel besser, und die Zusammenarbeit endete.
1974 gelang es Bernie Ecclestone, Martini als Sponsor zu gewinnen, sodass sein Brabham Formel 1 Team in diesem Jahr in den bekannten Martini Farben antreten konnte. Zunachst erzielte der Rennstall gute Ergebnisse mit mehreren Platzierungen weit vorne. 1976 entschied man sich jedoch gegen die bewaehrten Cosworth DFV Motoren und setzte stattdessen auf einen von Alfa Romeo entwickelten 12 Zylinder Boxermotor. Es musste ein neues Auto gebaut werden, wie alle anderen von Gordon Murray entworfen, dem aus Sudafrika stammenden Konstrukteur von Brabham.

Es wurde ein sehr elegantes Auto, sowohl was Ausstattung als auch Erscheinungsbild anging, das sich jedoch auch wieder als recht schwer erwies. Die Erfolge blieben aus und Martini wechselte 1979 zu Lotus. In den Martini Farben lackiert wirkten die in den vorangegangenen Saisons sehr schnellen Lotus Wagen sehr ansprechend, aber aus unklaren Grunden funktionierte die Aerodynamik dieser Autos nicht optimal. Die schlechte Saison war fur Martini Anlass, am Ende dieses Jahres mit der Formel 1 aufzuhoren.
Das Blut kriecht, wohin es nicht gehen kann, und schon bald, 1981, begann man, Lancia im Langstreckenrennsport zu unterstutzen. Lancia erzielte zahlreiche Erfolge. Lancia stieg aus – moglicherweise als Folge der (zu) regelmassig wechselnden Reglements – und konzentrierte sich auf den immer beliebter werdenden Rallyesport, und Martini machte mit.
Hier wurden die grossten Erfolge erzielt, darunter Weltmeisterschaften mit verschiedenen Versionen des Lancia Beta und Delta. Nach vier Fahrertiteln und noch mehr Konstrukteurstiteln drehte Martini 1992 den Geldhahn zu. Es war die langste und erfolgreichste Zusammenarbeit gewesen, und beide Marken hatten eine grosse Popularitat erlangt. Einer der Menschen, die neben den Fahrern fur die Erfolge von Lancia verantwortlich waren, war Cesare Fiorio. Nachdem Lancia sich zuruckgezogen hatte, war er noch einige Zeit Teamchef des Formel-1-Teams von Ferrari.
Die Zeit, in der Lancia im Rallyesport aktiv war, wird von manchen als eine der schoensten Epochen ueberhaupt angesehen. Es war die Phase des Aufstiegs der sogenannten Gruppe B Autos. Auf dem Hoehepunkt verfuegten die Audis, Peugeots und Lancias alle ueber Allradantrieb und mehr als 500 PS. Die Leistungen dieser Fahrzeuge waren phaenomenal, doch die Geschwindigkeiten, die sie erreichten, machten das Ganze aeusserst gefaehrlich. Der toedliche Unfall von Henri Toivonen bedeutete das Ende der legendaeren Gruppe B. Der Lancia ECV2, der in der Martini Ausstellung im Louwman Museum zu sehen ist, kam zu spaet, um noch eingesetzt zu werden.
Schliesslich zog sich Martini nicht vollstandig aus dem Motorsport zuruck und wechselte in eine weitere Disziplin, die Tourenwagen, diesmal mit Alfa Romeo. Zunachst war dies eine nationale Angelegenheit, doch als Alfa Romeo in die prestigetrachtige DTM wechselte, ging Martini mit. Die Alfa Romeos konnten sich nicht gegen die deutschen Einsatze behaupten. Alfa Romeo nahm zwar weiterhin teil, jedoch ohne die Farben von Martini.
Vor einigen Jahren erschien ein unauffalliger Martini Aufkleber auf der Nase der Autos des Formel 1 Teams von Ferrari, fast verloren zwischen den vielen anderen Sponsoren von Ferrari!
Heutzutage wird im Porsche Cup gesponsert. Kurzlich wurde bekanntgegeben, dass Martini und Rossi in der Saison 2014 das Williams Formel 1 Team sponsoren werden.
Peter Helbach
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