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Maserati 100 Jahre

Maserati 100 Jahre

27. Februar 2014

Ein Jahrhundert sportlicher Erfolge, raffinierter Technik und eleganten Designs.
Die Geschichte von Maserati koennte fast ein Roman sein. Grosse Hoehen wechseln sich mit tiefen Tiefen ab, manchmal in bemerkenswert kurzer Folge. In diesem Jahr wird gefeiert, dass die Marke seit 100 Jahren besteht. Beachtlich, denn sie stand oft am Rand des Abgrunds.

Text & Fotos: Bart van den Acker

Die Familie Maserati aus Bologna war Ende des 19. Jahrhunderts mit sechs Sohnen gesegnet. Es war eine spannende Zeit, Autos und Motorrader steckten noch in den Kinderschuhen, wer ein Gefuhl fur Technik hatte, konnte in viele Richtungen gehen. Das galt fur funf der sechs. Die Ausnahme, Mario, war kunstlerisch begabt und ging seinen eigenen Weg. Der alteste, Carlo, verstarb leider bereits 1911. 1914 grundete Alfieri sein eigenes Unternehmen, eine Reparaturwerkstatt fur die Automarke Isotta Fraschini, bei der er zuvor beschaftigt gewesen war. Seine jungeren Bruder Bindo, Ettore und Ernesto schlossen sich ihm an. Die Maseratis waren unternehmerisch veranlagt und grundeten auch eine kleine Fabrik, in der Zundkerzen hergestellt wurden. Sie fuhrten zudem das Rennteam der Marke Diatto, bis sich diese Fabrik das nicht mehr leisten konnte. Die Bruder ubernahmen die Rennwagen, modifizierten sie und brachten ihren eigenen Namen darauf an: Maserati Tipo 26, benannt nach dem Jahr 1926. Der kunstlerische Mario leistete nun ebenfalls einen Beitrag und entwarf das Logo, das dem Dreizack des Meeresgottes Neptun entlehnt war, von dem in Bologna eine riesige Statue steht. Die neue Marke baute ausschliesslich Rennwagen, was aus kaufmannischer Sicht nicht immer von Vorteil war. 1932 starb Grundervater Alfieri an den Folgen einer Nierenoperation. Die drei jungeren Bruder vermissten ihn sowohl personlich als auch geschaflich, er hatte eine klare Fuhrungsrolle inne. Dies fuhrte dazu, dass das gesamte Unternehmen 1937 von der Industriellenfamilie Orsi aus Modena ubernommen wurde, was zugleich den Umzug der Marke mit sich brachte. Die drei Bruder unterschrieben einen Vertrag, um noch zehn Jahre fur ihr ehemaliges Unternehmen weiterzuarbeiten. Adolfo Orsi hatte als Lumpenhandler begonnen und nutzte jede geschafliche Gelegenheit. So wurde Maserati auch Hersteller von Batterien, kleinen elektrischen Lieferwagen, Motorradern und Maschinen fur die Metallindustrie, wie Dreh- und Fraesmaschinen. Diese Vielseitigkeit brachte die Marke auch durch die Kriegsjahre.

Maserati 100 Jahre

Maserati ist eine Marke mit vielfaltigen Aktivitaeten. Viele Jahre lang wurden auch leichte Motorrader gebaut, hier ein Exemplar aus den funfziger Jahren.

Grand Prix und Voiturettes vor 1940.

Trotz aller Schwierigkeiten konnte Maserati auf den Rennstrecken Erfolge erzielen. Maserati war ein ernstzunehmender Konkurrent fur Alfa Romeo und Bugatti. Mit unter anderem Nuvolari am Steuer wurden einige wichtige Siege errungen, darunter der Grosse Preis von Belgien im Jahr 1933.

Maserati 100 Jahre

Eines der altesten Maserati Modelle, ein 8CM Grand Prix Wagen aus dem Jahr 1933, steht jetzt im Louwman Museum in Den Haag. Der Spitzenfahrer Tazio Nuvolari gewann damit den Grossen Preis von Belgien.

Ende der dreißiger Jahre wurde der 8CFF entwickelt, ein Wagen, der es den dominierenden „Silberpfeilen“ von Mercedes und Auto Union zeitweise schwer machen konnte. Eine Klasse darunter (bis 1500 ccm mit Kompressor) gab Maserati mit dem Modell 4CL zusammen mit Alfa Romeo den Ton an.

Unruhige Zeiten

1947 lauft der Vertrag aus, die Bruder Maserati kehren nach Bologna zuruck und grund en die Automarke OSCA. Maserati erlebt vor allem in den funfziger Jahren grossen Ruhm als Rennwagenhersteller. Autos fur den Strassengebrauch werden nur in kleinen Stucken und ausschliesslich auf besondere Bestellung gebaut. Orsi erkennt, dass dies nicht aufrechtzuerhalten ist. Im Marz 1957 wird der Prototyp des 3500 vorgestellt, er wird das erste normal in Serie gebaute Modell.

Maserati 100 Jahre

Der 3500 GT war der erste Maserati in echter Serienproduktion. Der 3,5-Liter-Sechszylinder ist ein gezahmter Rennmotor, die Karosserien fur dieses Standard-Coupe wurden von der Carrozzeria Touring gefertigt.

In dieser Zeit steht das gesamte Unternehmen am Rand des Abgrunds, weil eine Schiffsladung Maschinen, die Orsi direkt an den inzwischen abgesetzten argentinischen Prasidenten Peron verkauft hat, von den neuen Machthabern nicht bezahlt wird. Der Insolvenzverwalter ist Maserati gegenuber wohlwollend eingestellt, und die Produktion des 3500 darf aufgenommen werden, was (zum Gluck) zu einem grossen Verkaufserfolg fuhrt. In den sechziger Jahren bringt Maserati eine Reihe beeindruckender Sportwagen auf den Markt, darunter den Mistral, Sebring, Mexico, Ghibli und Indy.

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Der Ghibli aus dem Jahr 1967 zeichnet sich durch ein sehr schlichtes, klares Design aus, der Motor ist ein 4,9-Liter-V8, der in vielen Modellen verwendet wurde. Ein solcher Ghibli ist derzeit in der niederlandischen TV-Serie 'Heer en meester' zu sehen.

Das bemerkenswerteste Modell ist der Quattroporte (wortlich: Vierturer), mit einer Hohchstgeschwindigkeit von 240 km/h die schnellste Limousine der Welt. Kleinere Autohersteller wie Maserati konnten auf Dauer jedoch nicht uberleben, was 1968 zur Ubernahme der Marke durch Citroen fuhrte. Aus dieser Zusammenarbeit stammt das besondere Sportcoupe SM der franzosischen Marke. Den kompakten V6 aus dem SM verwendet Maserati selbst als Mittelmotor im Merak. In dieser Zeit entstehen auch andere neue Modelle wie die Bora und der Khamsin. Wahrend der Olkrise von 1973 ging Citroen (zum zweiten Mal) in Konkurs und wurde von Peugeot ubernommen, das jedoch keinerlei Interesse an einem italienischen Sportwagenhersteller hatte.

Grand Prix und Sportwagen nach 1940.

Vor der Saison 1954 wurde der legendaere 250F Grand Prix Wagen entwickelt. Dieses Auto, zusammen mit dem fuer Sportwagenrennen gebauten 300S und den davon abgeleiteten Fahrzeugen, sorgte dafuer, dass die Rennerfolge anhielten.

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In den funfziger Jahren baute Maserati noch vor allem Rennwagen. Dies ist ein A6GCS, ein zweiliter Sportwagen mit sechs Zylindern und 160 PS, der viele Klassensiege bei weltweiten Rennen erzielte.

Diese Autos verkauften sich zudem gut an Privatfahrer. Die Kroenung der Arbeit war die Formel-1-Weltmeisterschaft von Juan Manuel Fangio (seine funfte und Maseratis erste und einzige) im Jahr 1957. Aufgrund einer Reihe dramatischer Unfaelle mit dem Werks-Sportwagenteam sah man sich schliesslich gezwungen, die Rennaktivitaeten einzustellen.

In den Handen des Erzrivalen

Die italienische Regierung verfugt seit Jahrzehnten uber verschiedene Institute, die notleidende Fabriken am Leben erhalten sollen, bis sich die Umstande verbessern. Maserati hatte faktisch keine Zukunft mehr, bis sich Alejandro DeTomaso meldete. Der Argentinier DeTomaso war ehemaliger Rennfahrer, Multimillionar und Industrieller mit verschiedenen Unternehmen in der Auto- und Motorradbranche. Er hielt Maserati nicht nur am Leben, sondern fugte auch ein neues Element hinzu. Anfang der achtziger Jahre kam der Biturbo auf den Markt, ein relativ kompakter viersitziger Wagen mit dezenten Linien, einem prachtigen V6 mit zwei Turboladern und einem Preis, der ungefahr der Halfte eines Porsche 911 entsprach.

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Die Biturbo Modelle gaben der Marke Maserati eine voellig neue Richtung. Schoene Technik, zurueckhaltendes Design und deutlich erschwinglichere Preise. Dies ist ein 430, wobei die 4 auf die Anzahl der Tueren hinweist.

Neben dem Biturbo kam eine neue Quattroporte auf den Markt, die sogar vom italienischen Prasidenten genutzt wurde, ein imposantes Auto mit viel Prestige. Der Biturbo bildete die Grundlage fur eine ganze Modellpalette, darunter eine vierturige Version und ein Spider, mit verschiedenen Motoren und Ausfuhrungen. Es blieben schwierige Zeiten fur kleine Sportwagenhersteller. 1993 kam ernsthafte Hilfe fur Maserati. Fiat-Chef Agnelli wollte nicht, dass die stolze alte Marke mit dem Dreizack an einem schlechten Tag einfach verschwindet, und ubernahm sie, so wie er gut zwanzig Jahre zuvor auch Ferrari unter seine Fittiche genommen hatte. DeTomaso wurde ausgekauft, Maserati kam nun unter die Obhut von Ferrari, dem ursprunglichen Erzrivalen. Dank Ferrari erhielt Maserati neuen Elan. Die Produktionsanlagen wurden verbessert und damit auch die Qualitat der Autos. Ausserdem erschienen erneut neue Modelle wie der 3200GT und der Spider, spater die Gran Coupe und der Gran Spider sowie neue Generationen der Quattroporte. In unserer heutigen Zeit ist Maserati erfolgreicher als je zuvor. Die im vergangenen Jahr vorgestellte neue Ghibli, das erste Modell der Marke, das auch mit Dieselmotor und sogar Allradantrieb angeboten wird, bricht alle Verkaufsrekorde.

Maserati 100 Jahre

Der aktuelle Ghibli ist eines der Modelle, mit denen Maserati in den kommenden Jahren deutlich hohere Produktions- und Verkaufszahlen anstrebt. Moderne Technik und Komfort, aber mit einem stolzen Dreizack an der Front, ein echter Maserati.

Maserati hat sich in hundert Jahren von einem kleinen Unternehmen mit reiner Handarbeit und grossen Ambitionen zu einer exklusiven Marke mit sportlichem Status entwickelt. Der Absatz soll auf 50.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen, also ungefahr so viele, wie die Marke in den ersten dreiviertel Jahrhunderten ihres Bestehens insgesamt gebaut hat. Viva Maserati!