
Maskottchen oder auch Schmuck fur jedes Auto
8. Januar 2015
Seit der Urzeit verwendet der Mensch Symbole unterschiedlichster Art, um sich von anderen zu unterscheiden. Seit Jahrhunderten werden Boote und Wagen mit Abbildungen verziert.
Sogar die Galionsfigur auf einem Segelschiff kann man mit etwas gutem Willen als Vorlaufer der Maskottchen auf Automobilen des 20. Jahrhunderts betrachten. Maskottchen gibt es in allen moglichen Formen und Grossen. Besitzer von Automobilen entschieden sich dafur, ihr Fahrzeug mit Hilfe von Figurchen auf dem Kuhler weiter zu individualisieren. Man ging manchmal so weit, dass vorhandene, vom Hersteller angebrachte Verzierungen durch andere, schonere Objekte ersetzt wurden. Das konnten Darstellungen von Schutzheiligen sein oder Figuren, die das liebste Hobby zeigen, etwa sportliche Betatigung. An dieser Stelle findet man aber auch gelegentlich ein Thermometer. Ein sehr nutzliches Zubehor, denn Motoren hatten damals unter Last oft die Neigung zu kochen, und es war wichtig, die Temperatur des Kuhlwassers genau im Auge zu behalten.

In den Anfangsjahren war der Autobesitz vor allem den Wohlhabenden vorbehalten. In Gesellschaftskreisen wurde das Auto zunehmend zu einem Statussymbol, und man geriet schnell in einen Wettlauf darum, wer das groesste und schoenste Auto hatte. Karosserien wurden immer extravaganter gestaltet, Innenraeume meist mit exotischen Holzarten ausgestattet und mit Silber veredelt. Um in diesen Kreisen noch mehr aufzufallen, entschied man sich fuer ein passendes exklusives Kunstwerk anstelle der ,standardmaessigen, Figur.

Im Jahr 1911 entwarf der Bildhauer Charles Sykes im Auftrag von Lord Montagu of Beaulieu die beruhmte Figur Spirit of Ecstasy, die seitdem auf dem Kuhler jedes Rolls-Royce zu finden ist. Sein kunstlerisches Konnen inspirierte andere Bildhauer dazu, ebenfalls Kuhlerfiguren zu gestalten. Der Franzose Rene Lalique ist einer der beruhmtesten Kunstler auf diesem Gebiet. Lalique schuf in den 1920er und 1930er Jahren eine Reihe wundervoller Glasfiguren, die heute bei Sammlern sehr begehrt sind. Charakteristisch fur die Objekte von Lalique ist das Mattglas, das sehr wirkungsvoll eingesetzt wird, um die eleganten Formen der Figuren zu betonen. Die Manufaktur von Lalique besteht noch immer und fertigt verschiedenste Glasobjekte im Stil von Rene Lalique.

Es wurden Maskottchen fur eine bestimmte Marke entworfen. So gibt es die bereits erwahnte Spirit of Ecstasy fur Rolls-Royce, aber auch den fliegenden Storch (die Cigogne) fur die franzosische Marke Hispano Suiza, den Kopf der Gottin Minerva fur den gleichnamigen belgischen Luxuswagen und die Triomphe fur Isotta Fraschini. (Italien)

Einer der Kunstler, der Maskottchen fur verschiedene Auftraggeber anfertigte, war der Franzose Francois Bazin. Das Louwman Museum besitzt einige seiner Werke. Diese sind leicht an der gross geschriebenen Signatur F.BAZIN auf dem Sockel zu erkennen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg werden Kuhlermaskottchen immer weniger verwendet. Das gestiegene Bewusstsein fur die (passive) Verkehrssicherheit sorgte zumindest dafur, dass an der Vorderseite des Autos keine scharfen Kanten oder Vorsprunge mehr erlaubt waren. Daher verschwanden die Maskottchen ganz oder wurden kleiner und weniger auffallig gestaltet. Das vielleicht gefahrlichste Maskottchen in der Sammlung des Louwman Museums ist das der Duesenberg SJ LaGrande aus dem Jahr 1935.

Heutzutage halten unter anderem Rolls-Royce und Mercedes-Benz an einer prominenten Motorhaubenfigur fur das Auto fest. Allerdings sind diese Verzierungen so gestaltet, dass sie sich bei einem Unfall sicher umbiegen oder vollstandig in der Karosserie verschwinden. Bei einigen (alteren) Marken wurde die verwendete Motorhaubenfigur in ein Emblem umgewandelt, wie bei Jaguar.

Im Louwman Museum sind neben Produkten der bereits genannten Kunstler noch verschiedene andere Maskottchen zu finden, sowohl auf den Autos als auch in den verschiedenen Vitrinen.
Phil Seed